54.
Die Fürsten sahn ihm nach, verstöreter Geberde;
Denn Rostem war der Hirt, sie alle seine Herde.
Zu Guders sprachen sie: Guders! dieß ist dein Teil;
Durch deine Hand nur kann der Bruch uns werden heil.
Der König hört von dir am ersten noch ein Wort,
Und deiner Söhne Heer sind ihm ein werter Hort.
Geh hin zum Schah, und auf die Flamme seines Zornes
Spreng einen kühlen Thau aus Füllen deines Bornes!
Sprich Worte lind und stark, ihm zur Beschwichtigung,
Zu dieser mislichen Ergangs Berichtigung!
Gew, aber du sitz auf, und reit dem Schwäher nach,
Hol ihn uns ein, eh er nach Sabul heimfärt jach!
Der Gew saß auf und ritt, zusammen saß der Rat
Der Fürsten, weil den Gang Guders zum Schloß antrat.
Sie sprachen unter sich voll Kummer und Verdruß,
Daß heute nicht der Schah that, wie ein König muß;
Daß er mit raschem Wort solch einen Mann gekränkt,
Den zu beleidigen ein Kluger sich bedenkt.
Der Edlen Freundschaft müß ihm wol nicht nahe gehn,
Daß er so rücksichtlos beschimpft den Edelsten!
Der auf den Thron ihn hob, und der in jeder Far
Die Stütze seines Throns und Irans Zuflucht war!
Wenn an den Galgen er dafür will Rostem henken:
An was dann sollen wir, als schnelle Flucht nur, denken?
Denn ohne Rostem ist in Iran uns kein Halt,
Erliegen werden wir vor Turans Kampfgewalt;
Wenn nicht noch diese Nacht der Schah sich läßt erbitten,
Ihn zu besänftigen, eh er nach Haus geritten.
So ratlos hielten dort die Fürsten ihren Rat,
Indess Guders hinan zum zorngen König trat.
55.
Er sah ihn auf dem Thron in düsterm Unmut sitzen,
Gleich einer Wolke, die sich hat erschöpft mit Blitzen,
Geneigt, nachdem sie ausgewettert hat, zu regnen;
So wagte Guders ihm mit Worten zu begegnen:
O Fürst, ein König ist Haupt über Volk und Land;
Der Kopf soll haben für den ganzen Leib Verstand.
Wer guten Rat nicht hat, soll guten Rat annemen,
Und schlimmgemachtes gut zu machen sich nicht schämen.
Du hast ein harsches Wort zum Schaden und zur Schmach
Entsendet, send ihm auf dem Fuß ein sanftes nach!
Du hast mit raschem Wort solch einen Mann gekränkt,
Den zu beleidigen ein Kluger sich bedenkt.
Nicht gegen Rostem hast du deinen Zorn bezämt;
Die Edlen, weil sie ihn beschimpft sehn, sind beschämt:
Gestumpft ist Irans Schwert, des Mutes Arm gelämt.
Wenn jener Türke nun mit seiner Heermacht Wellen
Daherbraust, welchen Damm willst du entgegen stellen?
Der Gesdehem, der all die Deinen groß und klein
Von Hörensagen kennt, und kennt von Augenschein,
Sagt, daß dem Suhrab gleich in Iran kein Verwegner
Noch Turan sei, für ihn sei auf der Welt kein Gegner,
Als Rostem, den du nun durch ungestüme Hast
Des Herzens dir, dem Land und uns entwendet hast!
Warum? weil einen Tag zulang er ausgeblieben,
Hast du ihn lieber gar auf immer fortgetrieben!
Weil er drei Tage lang zu Haus uns hat gesäumt,
Sehn wir das Feld der Schlacht nun ganz von ihm geräumt!
Die Fürsten alle, die Heil wünschen deinem Thron,
Die Fürsten all, o Fürst! Ferabors auch, dein Sohn,
Einmütig haben sie zu deines Thrones Stufen
Mich hergesandt, zu flehn, Rostem zurück zu rufen!
Ferabors schützt dich nicht, dein Sohn, o Keikawus,
Wie stark er sei, dich schützt nicht dein Kronfeldherr Tus,
Noch all die andern sonst, die deinem Zepter fröhnen;
Ich schütze selbst dich nicht mit meinen achtzig Söhnen.
Sie werden alle nicht schnell wie Hedschir erliegen,
Doch ohne Rostem sind wir nicht im Stand zu siegen.
56.
So sprach der edle Greis und schwieg, doch Kawus nam
Zu Herzen, daß der Rat aus gutem Sinne kam.
Zu Guders sprach er: Wolgesprochen ist das Wort
Der Alten: Greisenmund voll Rates ist ein Hort.
Mich reuts, es reuete mich schon, was ich im Kochen
Des ungestümen Bluts Verletzendes gesprochen.
Geht schnell dem Rostem nach, den Ritter zu beschwichtigen,
Und bringt ihn her, damit wir das Versehn berichtigen!
Mit großer Freude nam Guders das gute Wort;
Heil, rief er, sei dem Schah! und gieng in Freude fort
Zur Ratsversammlung dort, die harrten ungeduldig
Ob huldig jetzt der Schah sei oder noch unhuldig.
Denn unstet immerhin ist eines Fürsten Sinn;
Da stiftet Schaden bald ein Wort und bald Gewinn.
Das Wort ist gleich dem Oel, doch eines Königs Mut
Ist bald wie Meeresflut, und bald wie Feuerglut.
Das Oel, gegoßen in die Flamm, erneut ihr Leben;
Gegoßen auf die Flut, macht es die Wogen eben.
Drum waren hocherfreut die Fürsten allzusammen,
Daß dort auf Wogen traf das Oel, und nicht auf Flammen.
Sie fühlten ihre Brust von einem Band entkettet,
Und von dem Dornenpfül auf Rosen sich gebettet,
Als Guders Kunde gab, wie sich die Flut geglättet,
Und riefen eines Munds: Nun ist Iran gerettet!
Zurückgewonnen ist dem Reich sein Pehlewan,
Der ihm des Sieges Bahn vorangeht auf Turan.
Nun laßt den Ritter uns nur unterwegs einholen,
Eh noch in Sabul er vom Fuße schnallt die Solen!
57.
Zu Rosse stiegen sie, und ritten bei der Nacht
Hinaus, wo Botschaft schon dem Rostem Gew gebracht.
Er hörte den Bericht vom Eidam an verdroßen,
Und blieb zur Heimkehr nach Sabulistan entschloßen,
Sobald nur mit der Schar ihm käme nach Sewar;
Statt dessen stellten sich ihm jetzt die Fürsten dar.
Zu bitten traten sie hinan zum Pehlewan,
Der, wie er nahn sie sah, aufstand sie zu empfahn;
Doch Guders trat voran, und hub zu bitten an:
Wir bitten dich vom Schah, ich komm in seinem Namen;
Sieh alle Fürsten hier, die dich zu bitten kamen!
Für Iran bitten wir, dess Pehlewan du bist,
Für Irans Volk, das dir zum Schutz empfolen ist;
Für seine Jünglinge, die kämpfen lernen sollen,
Für seine Männer, die im Kampf dir folgen wollen;
Für seine Greise, die sich selber nicht mehr nützen,
Für seine Kinder, die sich noch nicht können stützen,
Für seine Fraun, die du versprochen hast zu schützen!
Warum willst du zum Raub der Türken hin uns werfen,
Weil dich ein Königswort verletzt mit bittern Schärfen?
Du weißt ja, daß Kawus hat wenig Hirn im Haupt,
Und heftger Zorn ihn oft des Sinnes gar beraubt;
Dann ist sein Wort nicht fein, wenn er im Unmut schnaubt.
Er spricht geschwind ein Wort, das er geschwind bereut,
Worauf er schnell die Hand auch zur Versöhnung beut;
Er bietet sie durch uns, weis' uns zurück nicht heut!
Ist doch kein giftges Schwert das Wort, das dich gestochen!
Und zürnest du dem Schah um das, was er gesprochen;
Doch die Iranier, was haben sie verbrochen,
Daß du sie strafen willst für seinen Unverstand,
Dein Angesicht in Nacht abwenden ihrem Land?
Doch auch der Schah streckt dir entgegen seine Hand.
Er ist der Schah, und hat zu lohnen und zu spenden;
Vergelten wird er dir mit voller Gnade Händen
Den Zorn und den Verdruß; Verdruß und Zorn laß enden!
Und folg uns mit dem Rachs zu dem, der uns geschickt,
Dem Schah, der schon vom Thron nach dir erwartend blickt.
58.
Doch Rostem sprach: Er mag nach mir nur lange blicken!
Solch edle Boten hat er nun nicht mehr zu schicken.
Wenn diese nicht an mir verdienten Botenbrot,
Wer tuts ihm dann? Er ist mir ganz und gar nicht Not;
Ich will nicht sein Geschenk, und will nicht sein Gebot.
Nach Sabul kehr ich heim, wo ich ein König bin
Wie Kawus, walten kann ich dort nach meinem Sinn.
Hier sind ja Ritter gnug, die Marken zu verteidigen!
Er soll nur alle wie den einen nicht beleidigen!
Ich aber zieh nach Haus, die Waffen leg ich nieder
In Frieden, und erheb im Leben sie nicht wieder
Zu Kampf und Schlachten, Blutvergießen, Mord und Wut;
Dem allem sag ich ab und hege Friedensmut.
Ich hab in Ehren lang genug das Schwert gefürt,
Und habe nun vom Schah den Lohn, der mir gebürt.
Warum half aus der Not ich ihm sooft, und bot
Die Hand, wenn Unverstand den Fuß ihm bracht in Kot?
Dafür hat er mir mit dem Galgen nun gedroht;
Weil ich ihm aufgetan einst in Masenderan
Den Kerker, wohinein sein Unsinn ihn getan;
Als von den Zauberern, Schwarzkünstlern und Dämonen
Er sich hinlocken ließ, die dort im Lande wohnen.
Des Landes Frühlingsglanz und goldner Schätze Reiz
Verlockte seine Lust, verlockte seinen Geiz,
Bis er mit seinem Heer und euch, ihr Fürsten, allen
Dort war in die Gewalt der bösen Macht gefallen:
Wer mußt euch da befrein, als ich, aus Teufelskrallen?
Doch was ich sonst getan für ihn und sein Iran
Und euch, ihr wißt es noch: was gehts mich ferner an?
Ich eile nun im Nu zur langen Waffenruh,
Und meine wol, ich bin nicht mehr zu jung dazu.
Ein Adler, der sich schwang wol ein Jahrhundert lang
Zur Sonn, am Ende wird ermatten auch sein Drang.
Als ich aus Sabul ritt, da war mir schwer zu Mut,
Als wär mir dießmal in den Krieg zu ziehn nicht gut.
Auch stolperte mein Rachs, dem nie ein Tritt misglückt,
Und Helm und Schien hat mich zum erstenmal gedrückt.
Jetzt auf dem Heimweg ist mir leichter in der Nacht,
Und freudewiehernd hat den Rückritt Rachs gemacht.
Geht heim zum Schah, sagt, daß ihr mich nicht mitgebracht!
59.
Doch Guders sprach: Ist das, Rostem, dein letztes Wort?
Und also sendest du mich und die Fürsten fort?
Was wird der Schah von dir, was werden Edle denken?
Unedle gar, worauf wird sich ihr Denken lenken?
Vor jenem Türken ist der Held von Iran scheu;
Den alten Löwen schreckt vom Berg der junge Leu.
Held Rostem fürchtet sich! das ist an Rostem neu.
Wer, wenn er flieht, soll stehn? wer, wenn er wankt, soll dauern?
Wer, wenn er zagt, soll gehn zum Kampfplatz ohne Schauern?
Denn, wie ihn Gesdehem beschreibt, ist kein Verwegner
Dem Suhrab gleich, für ihn ist auf der Welt kein Gegner,
Als Rostem, Sabuls Held; und wenn nun Rostem flieht,
Wer soll verteidigen vor Suhrab das Gebiet?
So muß dem Adler, der sich ein Jahrhundert lang
Zur Sonne schwang, am End ermatten auch sein Drang!
Drum war ihm, als er ritt aus Sabul, schwer zu Mut,
Als wär ihm dießmal in den Krieg zu ziehn nicht gut!
Drum stolperte sein Rachs, dem nie ein Tritt misglückt,
Und Helm und Schien hat ihn zum erstenmal gedrückt!
Jetzt auf dem Heimweg ist ihm leichter in der Nacht,
Und freudewiehernd hat den Rückritt Rachs gemacht!
Am Hofe hör ich schon von Rostem dieß Gerede
Und in der Stadt; wo bleibt dein Ruhm in dieser Fehde?
Willst du nicht unsern Wunsch und deines Schahes stillen,
Tu's nur um deines Ruhms, um deines Namens willen!
Doch Rostem sprach: daß Furcht nie Rostems Herz empfand,
Und nie empfinden wird, das weiß wol dieses Land.
Wie aber kann ich hier mit gutem Willen bleiben,
Da mich von hinnen selbst des Schachs Scheltworte treiben?
Guders mit Nachdruck sprach: Wenn dich sein Wort vertrieb,
Sein Wort ruft dich zurück; so folg ihm, uns zu lieb!
Rostem mit Zögern sprach zu seinem Tochtermann:
Gew, sattle mir den Rachs, weil ichs nicht weigern kann.
Nach Hause kann ich nun allein nicht, weil Sewar,
Mein Bruder, wie es scheint, nicht nachkommt mit der Schar.
Gew sattelte geschwind, und alle saßen auf,
Den Rostem führten sie zur Stadt im Siegeslauf.
60.
Zu Hofe führten sie im Zug den Pehlewan,
Die Pforten fanden sie weit offen aufgetan.
Als er ihn kommen sah, der Schah eilt' aufzustehn,
Und mit Entschuldigung entgegen ihm zu gehn.
Er sprach: Die Heftigkeit ist mir zur Art gegeben;
Und wie uns Gott gepflanzt, so wachsen wir im Leben.
Von diesem neuen Feind, der uns so plötzlich kam,
Stieg Unmut mir ins Haupt, der mir den Sinn benam.
Du aber bist der Hort des Reichs, des Heeres Rücken;
Auf dich nur sind gelegt die Sorgen, die mich drücken.
Du bist der Edelstein, dem Glanz die Krone dankt;
Du bist der Fels, auf den gebaut der Thron nicht wankt.
Dein Wolsein ists, worauf ich früh den Becher leere,
Und dein Wolwollen, was ich in der Nacht begere.
Mit deiner starken Hand halt ich den Herrschaftstab;
Wir beide stammen ja gerad von Dschemschid ab.
Kein andrer steht so nah dem Herzen und dem Thron;
Mein Leben und mein Reich dank ich dir vielmal schon;
Und nur mein Dank allein ist deiner Taten Lohn.
Stehst du bei mir, so mag die Welt entgegenstehn;
Statt aller wünsch ich nur als Helfer dich zu sehn.
In dieser Kampfnot auch begert ich dein vor allen;
Und wie du zögertest, hat mich der Zorn befallen.
Doch als beleidiget du giengst, o Pehlewan,
Hat mir die Reu sogleich den Staub aufs Haupt getan.
So sprach der Schah und schwieg; doch Rostem sprach: die Welt
Ist dein, ich bin darin zu deinem Dienst bestellt.
Gehorchen meine Pflicht, Befelen ist dein Recht;
Ich beuge mich, du bist der Herr, ich bin der Knecht,
Bereit, wohin du rufst, auf deinen Ton zu gehn,
Der Diener niedrigster an deinem Thron zu stehn.
Verpflichtet deinem Hof bin ich zu Dienstentrichtung,
Dafern ich würdig bin so ehrender Verpflichtung.
Und wäre Leben mir noch tausend Jahr verliehn,
So werd ich nie vor dir des Dienstes Gurt ausziehn.
61.
Zu Rostem wieder sprach der Schah: O Pehlewan!
Die Seele bleibe dir hell ewig aufgetan!
Nie werde dir die Hand, das Schwert zu füren, schwächer,
Und nie miss' Irans Land den Ritter und den Rächer!
Die neuen Dienste, die du wirst im Kampfe tun,
Wie lohn ich sie? noch unbelohnt sind alte nun.
Was biet ich heute dir als Gast- und Ehrengabe?
Was hab ich, das ich nicht durch deinen Beistand habe?
Was hab ich, das, o Held, du nicht schon selber hast?
In Sabul ist dein Reich und fürstlicher Palast.
Du hast das beste Ross, das schönste Sturmgewand,
Du hast das stärkste Schwert, dazu die stärkste Hand.
Du bist mit allem ausgerüstet unvergleichlich,
Im Felde wie zu Haus versehn mit Schätzen reichlich.
Rostem, was schenk ich dir an diesem Freudentag?
Wähl ein Geschenk dir selbst, was ich dir bieten mag!
Rostem verneigte sich und sprach: Ich wills bedenken;
Inzwischen mag der Schah mir seine Gnade schenken!
Er sprachs, da freuten sich die Fürsten groß und klein,
Da sie gestiftet sahn so gütlichen Verein.
Zu Guders sprach der Schah: Dir dank ich es, daß du
Mir noch vor Schlafengehn ins Haus gebracht die Ruh.
Doch Rostem trat zu Tus, dem tat er nun genug
Dafür daß unsanft erst er auf die Hand ihm schlug.
Der Schah rief: bringet Wein und Saitenspiel herein!
Denn ohne Sang und Klang soll diese Nacht nicht sein.
Zum Kampf mit Suhrab ziehn wir morgen mit dem Tage,
Und feiern im Gelag heut seine Niederlage.
So rief er; und zum Fest ward Wein hereingebracht
Und Saitenspiel, und hell und klangvoll ward die Nacht.
Wie Frühlingsgartenpracht war aufgeschmückt das Maal,
Und Lust war wie ein Bach ergoßen durch den Saal.
62.
So saßen sie im Haus des Königs nun beim Schmaus;
Da gieng ein froh Gerücht vom Hof zur Stadt hinaus,
Das durch die Straßen lief, und durch die Häuser rief,
Grüßte, was wach noch war, und weckte, was schon schlief.
Jeder, zu dem es kam, und der den Gruß vernam,
Dem schwand davon alsbald der Kummer und der Gram,
Und wuchs die Freudigkeit. Nun aber war beim Wandern
Das fröhliche Gerücht begegnet einem andern,
Das war so traurig anzusehn als jenes froh;
Das frohe hielt es an, eh es ins Dunkel floh.
Da tat das fröhliche Gerüchte seinen Mund
Mit Lachen auf und sprach: wer bist du? tu mir kund!
Und jenes sprach: Ich bin das traurige Gerüchte,
Daß Rostem, von Kawus gekränkt, aus Iran flüchte.
Das ist die Botschaft, die durch Stadt und Land ich trage,
Und jeder wird betrübt, dem ich die Zeitung sage.
Da sprach das fröhliche: Nun streue keinen Frost
Der Furcht umher! sei still! denn falsch ist deine Post.
Die Wahrheit sag ich dir: Held Rostem sitzt beim Schmaus
Mit Kawus heut, und zieht zum Kampfe morgen aus.
Unglaubig schüttelte das traurige Gerücht
Sein Haupt, es glaubte nicht den fröhlichen Bericht.
Aber das fröhliche geriet in Zorn, und rang
So mit dem traurigen, bis es den Feind bezwang.
Das traurige Gerücht vom fröhlichen danieder
Geschlagen lag, und stand die Nacht durch auf nicht wieder.
Froh seines Sieges gieng das fröhliche vondann,
Und wo es gieng und stand, ward fröhlich Weib und Mann.
Abwechselnd sprach es ein in Häusern groß und klein,
Willkommen überall, beliebt wars allgemein.
Und jeder, dem es noch vor Schlafengehn gebracht
Ins Haus die Kunde, schlief dann beßer in der Nacht.
63.
Sie aber saßen noch beim frohen Maal und tranken,
Bis sie, vom Wein bekämpft, dem Schlaf zur Beute sanken.
Doch morgens, als die Sonn ihr goldenes Panier
Aus Purpurvorhang hob zur Decke von Safier;
Als auf der stillen Flur der Hirt in seinem Pferche
Mit seiner Herd erwacht' am Morgenlied der Lerche:
Da ward die Stadt erweckt von drönendem Metall,
Von rauhen Erzes Mund und von Heerpaukenschall.
Da drangen mit Geschrei Kriegsvölker rings herbei,
Siegsmutig, daß nunmehr bei ihnen Rostem sei.
Vom eignen Fürer ward gefürt jedwede Schar
Aus Iran, und es fürt' aus Sabul die Sewar.
Rostem, der Pehlewan, ritt auf dem Rachs allein;
Nicht einer Schar, dem Heer gehört' er allgemein.
Doch jeder Schar den Platz wies an der Feldherr Tus,
Und Sold aus seinem Schatz der König Keikawus.
Mit Lust sah Keikawus vorbeiziehn jede Schar,
Die vom Feldherren Tus ins Feld entboten war.
Er freute sich des unzählbaren Heergedränges,
Der kaiserlichen Macht, des fürstlichen Gepränges.
Da freut' er sich sosehr an keiner tapfern Schar,
Als daß der tapferste beim Heere, Rostem, war.
Die Rosse wieherten, es schmetterten Trommeten,
Die Fahnen flatterten, die Fart ward angetreten.
Gleich einem Meere kam die Menschenflut in Gang,
Dem festen Lande ward vor Ueberschwemmung bang.
Die Berge zitterten, gestampft von ihrem Hufe,
Und Wolken splitterten, gesprengt von ihrem Wufe.
Die Sonne sah ihr Bild verhunderttausendfacht
In jedem blanken Schild, in jeder Rüstung Pracht.
So stieg der Waffen Glanz und so ihr Schall empor,
Daß jedes Auge blind, und taub ward jedes Ohr.
So nickte Helm an Helm, und schwankte Busch und Feder,
Alswie, vom Sturm bewegt, auf Bergen Tann und Zeder.
So ragten, Reih an Reih, die dichtgedrängten Speere,
Alswie auf gutem Feld sich dränget Aehr an Aehre.
Geschmückt schien, wo das Heer im Schmuck der Waffen fur,
Mit einem wandelnden Glanzfrühlinge die Flur.
So blühte, wo es zog, die Au; doch wo vorbei
Es war gezogen, blieb dahinter Wüstenei;
Denn abgeweidet ward manch Saatenfeld, und leer
Getrunken mancher Bach vom Ross- und Menschenheer.
So zog das Heer zur Grenz in ungehemmtem Lauf,
Und nah der weißen Burg schlug man das Lager auf.