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PoetósferaLa BibliotecaFriedrich Rückert

Friedrich Rückert · Romanticismo

Neuntes Buch

alemán

85.

Er ritt hinaus, wo ihn der gleichgeartete,
Ein Kämpe seines Bluts, sein Sohn erwartete.
Auf Bogenschuß hinan ritt er, da hielt er an,
Da wieherten sich laut die beiden Kampfross' an:
Rachs, der den Rostem trug, und jener, der Suhrab,
Den Sohn des Rostem, jetzt entgegen trug dem Grab.
Der trug des Rostem Sohn, war selbst vom Rachs ein Sohn;
Und doppelt kam zum Kampf ein Vater und ein Sohn.
Doch eh zum Tode nun die Reiter sich anranten,
Wieherten erst sich an die Rosse, die sich kanten:
Das Wiehern war der Gruß der beiden Blutsverwandten.
So in den Thieren dort, o Wunder, sprach die Stimme
Des Blutes, die erstickt ward von der Männer Grimme.
Soviel ist blinder, als das blindgeborne Thier,
Der Mensch, der sehende, geblendet von Begier.
Die Reiter sahen an das Wiehern für ein Zeichen,
Daß ihre Rosse selbst an Kampflust ihnen gleichen;
Und selber wollten sie nun nicht den Rossen weichen.
Doch riefen sie sich nicht mit lautem Schlachtgruß an,
Entgegen hielten sie stillschweigend auf dem Plan,
Und Sohn und Vater sahn sich stumm todblickend an.
Nun kamen auch heran die Zeugen ihrer Schlacht,
Von beiden Seiten die und jene Heeresmacht:
Die Heermacht Irans hier, gewaffnet und geschmückt,
Vom Feldherrn Tus gefürt, vom Lager ausgerückt;
Die Heermacht Turans dort, den Berg herabgedehnt,
Von Barman aufgestellt, und an die Burg gelehnt.
Entgegen standen sich die beiden Heere schweigend,
Die Kampfbegier vereint nur in zwei Kämpfern zeigend.
Wie auf dem weiten Hof ein zahlreich Volk von Hennen
Untätig zusieht, wie zum Kampf zwei Hähne rennen,
Die, für ihr ganz Geschlecht von Kampfbegier entbrant,
Wenn sie erst zum Gefecht zusammen sind gerant,
Lebendig alle zwei nicht mehr zu trennen sind;
Sosehr macht Eifersucht und heißes Blut sie blind:
Die Hennen sehen zu, wie sie zusammen rennen,
Und warten, welchen sie als Herrn des Hofs erkennen;
So dort erwarteten die beiden Heere nun,
Wer als des Schlachtfelds Herr hervor sich würde tun,
Und sahen zu, bewehrt, alsob sie wehrlos wären:
Für alle ließen sie das eine Paar gewären.

86.

Doch näher kamen an die beiden Helden licht
Geritten nun, und sahn einander ins Gesicht.
Suhrab, den Ungeduld hinan zum Vater trieb,
Sprach, während eine Hand er in der andern rieb:
Komm, alter Held, wie ich gesehn noch keinen habe,
Nicht übel nim es mir! dich will bestehn ein Knabe.
Von Iran brauchen wir und Turan hier dazu
Sonst keinen außer uns, genug sind ich und du.
An Wuchse bist du hoch, an Schultern bist du stark;
Die Jahre haben doch versehrt bereits dein Mark.
Du wirst mich nicht bestehn in diesem Waffengange!
Er sprachs, und Rostem blickt' auf seine Rosenwange,
Und sprach zu ihm: Gemach, feuriges Heldenkind!
Die Erd ist kalt und hart, die Luft ist lau und lind.
Schon manche glichen dir, die nun gleich Staube sind.
Wol altershalb hab ich gesehn genug Walstätten,
Und half manch stolzes Heer im kalten Lager betten.
Die schlafen tief genug, die meinem Streich erlagen;
Und wo ich selber schlug, da ward ich nie geschlagen.
Nun komm heran, blick her, wie ich dich morden will;
Entkommst du mir, so fürcht hinfort kein Krokodill!
Allein es fühlt mein Herz mit dir, Kind, ein Mitleiden,
Vom schönen Leib will ich nicht deine Seele scheiden.
Gar einem Türken gleichst du nicht, o schlanker Baum!
Deinsgleichen viele wüßt ich auch in Iran kaum.
Wie Suhrab hörte, daß so sanfter Rede pflegte
Der Recke, fühlt' er auch, wie sich sein Herz bewegte,
Und sprach: O alter Held, ich will ein Wort dich fragen,
Du aber mußt nun auch mir alle Wahrheit sagen.
Vermelde mir, eh wir uns schlagen, dein Geschlecht!
So, hör ich, hielten es die Alten im Gefecht.
Ich glaube wirklich, daß du Niemand auf der Welt
Als Rostem bist, der Fürst im grünen Heergezelt.
So sprach er, und so nah daran wars, daß gewendet
Würd alles Weh in Lust, und aller Streit geendet.
Da kam ein finstrer Geist auf Rostem, und er sprach:
Ich bin nicht Rostem! was fragst du dem Rostem nach?
Er ist ein Ritter, ist ein Fürst, ich bin ein Knecht;
Mit ihm nicht, nur mit mir ist dir der Kampf gerecht.
Ich bin der Späher, der dir auf der Burg erschlug
Den Mann, der thöricht Lust mich auszuspähen trug.
Nun komm zum Kampf, mein Sohn, des Schwatzens ist genug.

87.

Da schwenkte sich im Zorn zur Linken ab Suhrab
Von Rostem, Rostem lenkte rechts von Suhrab ab.
Doch als auf Bogenschuß sie auseinander waren,
Da wendeten sie schnell, und kamen hergefaren.
Entgegen stoben sich zu Ross die beiden Ritter,
Entgegen schoben sich die beiden Ungewitter;
Entgegen schnoben sich ein Sohn und Vater bitter:
Die Schläge hoben sich, und jeder Schlag gab Splitter.
Zuerst versuchten sich in diesem Waffentanze
Der Vater und der Sohn mit fernentsandter Lanze.
Sodann erprobten sich der alte und der junge
Anrückend mit der nahgezückten Schwerter Schwunge.
Und endlich giengen sich die beiden Heeressäulen
Hart auf den ehrnen Leib mit ihren ehrnen Keulen.
Was von der Lanze da verschont blieb, schlug das Schwert;
Die Keule schmetterte, was jenes nicht versehrt.
Laut stöhnten beid', es war des andern jeder wert.
Am Helme blieb kein Glanz, am Helmbusch kein Gefieder,
Kein Ring am Panzer ganz, keins ungequetscht der Glieder;
In Strömen floß der Schweiß vom Mann aufs Ross danieder.
Wie sich entgegen zwei Gewitterwolken wettern,
Mit Blitz und Gegenblitz einander zu zerschmettern;
Sie selber können sich mit Streichen nicht verletzen,
Doch unter ihrem Kampf ergreift die Welt Entsetzen:
Der Hagel braust herab und schlägt der Erde Saat;
Das Land ist wie ein Feld, das eine Schlacht zertrat:
Dann, wenn sie sich erschöpft, zieht jede ihre Bahn,
Und aus der Ferne noch sehn sie sich finster an:
So standen jetzt vom Kampf die beiden ab ermattet,
Und eine Lebensfrist war noch dem Sohn gestattet.

88.

Sie schieden sich, voll Weh der Vater, und das Kind
Voll Schmerz: sie hatten sich begegnet ungelind.
Die Rosse langsam ließen sie bei Seite laufen,
Um von der stürmischen Begrüßung zu verschnaufen.
Suhrab im Herzen sprach: Der da so grimmig drein
Auf mich geschlagen hat, kann nicht mein Vater sein.
Zwar alle treffen ein die Zeichen, die von ihm
Die Mutter gab, nur sprach sie nichts von solchem Grimm.
Zum Gatten hätte nie genommen ihn Tehmine,
Wär er gekommen ihr mit solcher Löwenmiene.
Er sagt es selbst: er ist der Mann, der mir erschlagen
Den Vetter hat, der mir den Vater sollte sagen.
Den Vetter wollt ich ja an seinem Mörder rächen;
Und was nun hindert mich, zu lösen mein Versprechen?
Doch Rostem sprach bei sich: Ei, wäre der mein Sohn;
Von ihm zerbleut, hätt ich nun meiner Thaten Lohn!
Den hat kein menschliches, ein Riesenweib getragen;
Wie ich so alt erst war, konnt ich noch so nicht schlagen.
Nim dich zusammen nun und wehr dich, alter Held!
Denn zu Zuschauern hast du beide Heer im Feld.
Es wär ein Spuck, wenn mirs mit diesem Türken fehlte,
Und in Semengan ers einst meinem Sohn erzählte!
Denn, wer ich bin, wird er am Ende doch erfaren,
Wielang ich auch vor ihm mag das Geheimnis waren.
So sprachen sie, indem sie sich erholten jetzt
Von Streichen, welche Sohn und Vater sich versetzt;
Die Rosse hatten so einander nicht verletzt.
Sie hatten sich geschont, und waren nur benetzt
Vom Schaume, weil zum Kampf die Reiter sie gehetzt.
Die hatten nun beiseit ein wenig ihren Streit
Gelegt und waren schon zu neuem Weh bereit.

89.

Nunmehr begannen sie, wie um sich zu erholen,
Ihr Schützenkampfgerät gemach hervor zu holen.
Zum Köcher langten sie, und zogen ihre Bogen,
Und von der Senne kam Pfeil gegen Pfeil geflogen.
Im Fluge trafen sich die zwei, und sanken nieder;
Doch andre rüsteten schon Sohn und Vater wieder.
Die Pfeile regneten, dicht, wie bei rauhem Wetter
Des Herbstes unterm Baum hernieder rieseln Blätter;
Wie wenn am Frühlingstag des Landmanns Bienen schwärmen,
Wann rings das Bienenhaus des Mittags Stralen wärmen;
Wann sich die Einigkeit des Brudervolks zerschlug,
Die Honig mit gemeinschaftlichem Fleiß eintrug,
Sich nun vom alten Stock der junge Stamm lossagt,
Und auf gut Glück den Flug mit eignem Weisel wagt:
So nun mit einem Schwarm geschärfter Stacheln wandten
Zum Kampfe sich die mutentbranten Blutverwandten.
Sie spannten, legten an und schoßen ab, und spannten,
Indem mit jedem Pfeil sie sich Zornblicke sandten.
Sowenig aber als ein Blick, sowenig leid
Tat ihnen auch ein Pfeil am festen Wehrgeschmeid;
Sie schüttelten mit Scherz den Staub vom Waffenkleid,
Die Köcher raßelten, und ihre Schätze klirrten;
Die Sennen winselten, und ihre Bogen schwirrten,
Die laut im Fluge gleich blutgierigen Vögeln girrten.
Nicht kamen sie zum Zweck, die doch vom Ziel nicht irrten.
Alswie der Sonne Pfeil prallt ab vom Felsgestein,
Ihm dringen kann er nicht ins feste Fleisch und Bein,
Und an der obern Haut erhitzt er ihn allein:
So drangen dort nicht ein die Pfeil, und prallten ab,
Und mehr in Hitze nur kam Rostem und Suhrab.
Mit goldnen Spitzen war, gleich Stralen, jeder Schild
Besetzt, und leuchtete recht wie der Sonne Bild.
Doch als es sie verdroß, vergebens nur die Scheibe
Zu treffen, ließen sie nunmehr vom Zeitvertreibe,
Und giengen, Ross und Mann, ernsthafter sich zu Leibe.

90.

Sie ritten nah sich auf den Leib, und legten Hand,
Zu ringen, einer an des andern Gürtelband.
Wann sonst im Rossringkampf Rostem saß auf dem Rachs,
War er wie Erz, und, was zur Hand ihm kam, wie Wachs.
Doch nun legt' er die Hand an Suhrabs Gürtelband,
Und staunte, daß er fand solch einen Widerstand.
Wie nicht ein Bergfels wankt, den eine Schlang umflicht,
In Rostems Armgeflecht so wankte Suhrab nicht.
Wo Rostem matt ließ ab, fieng mutig an Suhrab;
Doch auch vergeben war die Müh, die er sich gab.
Wie nicht der Erdleib schwankt, weil ihn der Arm umflicht
Der Luft, so schwankte nicht Rostem im Gleichgewicht.
Da ließ der Sohn erzürnt den starken Vater faren
Am Gürtel, und ergriff ihn an dem Schopf von Haaren,
Der, halbergraut, doch straff drang unterm Helm hervor;
Daran vom Sattel hofft' er ihn zu ziehn empor.
Doch Rostem saß wie Blei im Sattel, wie ein Stück
Von Erzguß; nur das Haar blieb in der Hand zurück.
Suhrab fand in der Hand das Haar, und rief erschrocken:
Du unbezwinglicher mit schon ergrauten Locken!
Du spannst die Glieder unnatürlich an mit Krampf;
Was suchest du, o Greis, mit einem Jüngling Kampf?
Ein alter Mann, wennauch sein Wuchs wär eichbaumschäftig,
Mit einem jungen ist er doch zum Streit unkräftig.
Dein Thier auch unter dir hat seinen Mut verloren,
Und wie ein Esel läßt es hangen seine Ohren.
Vor meinem Hengste sucht' es gern das Heil in Flucht,
Und ihm verbietet es nur seines Reiters Wucht;
Doch mir verbeut den Kampf mit dir nun Scham und Zucht.
Als ich das graue Haar in meiner Hand gewart,
War mirs als legt ich Hand an meines Vaters Bart.
Sind denn um uns im Feld nicht andre Kriegerhaufen?
Was müßen wir allein uns mit einander raufen!
So sprach der junge; doch der alte sagte nichts,
Er wendete sich ab ergrimmten Angesichts.

91.

Da stürzt' er sich, wie sich ein Wolf stürzt auf die Herde
Der Schaf', aufs Turanheer, zu würgen mit dem Schwerde.
Und Suhrab, als ers sah, da warf er, wie ein Tieger
Sich auf die Rinder wirft, sich auf die Iranskrieger.
Den ersten, den er traf, streckt' er in Todesschlaf,
Den zweiten, dritten auch, und jeden, den er traf.
Doch Rostem, als er dort ans Heer von Turan kam,
Hielt plötzlich an den Rachs, zurück hielt ihn die Scham
Und Ueberlegung, wie es nun dem Kawus gienge,
Wenn jener Türk im Heer erst an zu morden fienge?
Dem selber Rostem kaum im Kampfe konte stehn;
Wie sollten seiner Wut die andern dort entgehn!
Drum, ohn ein Tröpflein Blut von Türken zu versprützen,
Umwandt er mit dem Rachs, die Perser zu beschützen.
Den Suhrab im Gewühl sucht er und fand, und schaute,
Wie auf der Flur Smaragd er Blutrubinen thaute.
Ihn rief er zürnend an: Was kühlst du deine Hitze
Am schwachen Volk, das dir nicht bieten darf die Spitze?
Was haben, tobender, die Leute dir getan,
Die du mit unversehnem Kampf hier rennest an?
Doch Suhrab sprach erstaunt: Ei, alter Held unhuldig,
Sind nicht am Kampfe dort die Türken auch unschuldig?
Warum hast du auf sie geworfen deine Wucht?
Wer hat von ihnen Streit an dich zuerst gesucht?
Doch willst du wieder nun zu mir zurück dich wenden,
So komm, laß uns das Werk erneuen und vollenden!
Doch Rostem sprach: der Tag hat sich geneigt zur Nacht;
Die ist zur Ruh gemacht, und nicht zum Werk der Schlacht.
Gehorchen wir der Nacht! doch wann im Osten lacht
Das goldne Schwert, von dessen Glanz die Welt erwacht,
Erneuern wir die Schlacht! sei mir hieher bestellt!
Hier stell ich morgen mich; jetzt geh, wohins gefällt!
Hier soll zu Fuß ein Faust- und Ringkampf uns vereinen,
Und als Zuschauer mag dieß Heer und jen's erscheinen;
Dann sehn wir, welches wird um seinen Kämpfer weinen!

92.

Sie giengen; finster ward das Angesicht der Luft;
Der Himmel hüllte sich in einen trüben Duft:
Vorzubereiten schien er Suhrabs Totengruft.
Doch Suhrab ritt vergnügt mit seinem Heer nach Haus,
Und unterm Reiten noch fragt' er den Barman aus:
Von jenem Löwenmann, von dessen Kraft die Spangen
Mir krachten heut am Tag, wie ist es euch ergangen?
Da er dieß Heer, wie ein berauschter Elefant
Anrante, wieviel hat er nieder da gerant?
Nie ward von mir erprobt, in jedem Kampf belobt,
Solch einer; wie hat er hier seinen Grimm vertobt?
Doch Barman sprach: Es war dein eigner Fürstenwille,
Daß diesen Tag das Heer sich hielt' in Waffen stille.
Gerüstet aber war all unser Ding zum Streit,
In jedem Nu ins Feld zu treten kampfbereit.
Da kam ein einzelner daher, ein unbekanter,
Und blindlings tollkühn vor die Heeresmitte rant er.
Er kam alswie im Rausch, oder vom Rausch erwacht,
Im Taumel, um allein zu liefern eine Schlacht.
Ich aber ordnete die Reihen, dem verwegnen,
Wo er sich wagt' heran, mit Nachdruck zu begegnen.
Da ward er plötzlich andern Sinns; die Zügel wandt er,
Und spornstreichs, wie er hergekommen war, entrant er.
Froh lachend sprach Suhrab: Also von diesem Heer
Erlegte keinen er, und ritt vergebens her!
Ich hab Iranier indessen viel getötet,
Mit Blut wie Rosen dort den Rasengrund gerötet.
Er hat den müßigen Beschauer hier gemacht!
Nun heute hat die Nacht geschieden unsre Schlacht.
Doch morgen, wann der Welt der hehre Tag aufgeht,
Dann wird sich zeigen, wer von beiden fällt und steht.
Denn so bedangen wir: dort wieder zu erscheinen,
Wie heut mit Heergeleit, ein jeder mit den Seinen.
Dort soll zu Fuß ein Faust- und Ringkampf uns vereinen;
Dann seht ihr, welches Heer um seinen Mann muß weinen!
Jetzt aber ziemt es uns, die Sorgen wegzuwischen,
Die spröden Lippen nach dem Kampfstaub anzufrischen
Mit Weinthau; Baruman, laß einen Schmaus auftischen!

93.

Indess im Lager lag schon Rostem beim Gelag,
Der noch beim kühlen Wein dacht an den heißen Tag.
Nur Suhrab wars, von dem er da erzälen mußte,
Suhrab, von dem man auch ihm zu erzälen wußte.
Keikawus sprach: Warum hast du den Wüterich
Uns auf den Hals geschickt, da du ihn namst auf dich?
Und hättest du nicht bald auf seine Bahn gerichtet
Dein Augenmerk; wer weiß, was er hätt angerichtet!
Wir haben hier ein Teil von seiner Art empfunden;
Doch selber sag uns nun, wie du ihn hast gefunden!
Er sprachs; doch Eifersucht und Aerger schwemmt' hinab
Rostem mit Wein, und tat den Mund auf von Suhrab:
Ich habe nie gesehn die gleichen Heldengaben,
Die Löwenmannheit nie, an so unreifem Knaben.
Ich hätte nicht gedacht, daß solchen Mann der Schlacht
Die Welt hervorgebracht, der mir so warm gemacht.
Er hat in jedem Kampf, in jedem Waffenwerke,
Mit mir die gleiche Kunst, mit mir die gleiche Stärke;
Und nur die Jugend die hat er vor mir voraus:
Mit ihm muß ich bestehn noch einen schweren Strauß.
Erst mit dem Sper hab ichs, dann mit dem Schwert versucht,
Mit meiner Keule dann, und er bestand die Wucht.
Zuletzt da dacht ich noch: Vor diesem rang ich doch
Schon manchen Helden hoch herab vom Satteljoch!
Da streckt' ich meine Hand nach seinem Gürtelband,
Und zerrte wacker; doch ich fand: er widerstand!
Ich dacht, er sollte nur sogleich vom Sattel fliegen,
Wie soviel andre schon ich sah im Staube liegen.
Doch wenn ein Berg im Grund wird wanken von dem Wind,
So wird vom Sattel nicht wanken das edle Kind.
Für heute hat die Nacht nun unsern Kampf geschieden;
Ich weiß nicht, ob ers war, ich war es wol zufrieden.
Und wenn er morgen mir wird zum Kampfplatze kehren,
Hab ich für Irans Ruhm und meinen mich zu wehren.
Denn so bedangen wir: dort wieder zu erscheinen,
Wie heut mit Heergeleit, ein jeder mit den Seinen.
Dort soll zu Fuß ein Faust- und Ringkampf uns vereinen;
Dann seht ihr, welches Heer muß seinen Mann beweinen!
Heut aber ziemt es uns, die Sorgen wegzuwischen,
Für morgen auf den Kampf die Herzen anzufrischen;
O König Keikawus, laß neuen Wein auftischen!

94.

So sprach er, und sein Wort macht' alle Gäste staunen;
Dann tranken sie mit ihm, und wurden froher Launen.
Sie tranken ihm auf Glück und Sieg die Becher zu,
Und suchten, wohlbezecht, in Zelten Schlaf und Ruh.
Doch Rostem, als er in sein Zelt gekommen war,
Sprach er noch in der Nacht zum Bruder: O Sewar!
Heut haben wir im Feld des Kampfes dieß gesehn;
Und Niemand sieht voraus, was morgen wird geschehn.
Sobald am Himmel dort der Sonne goldner Schild
Hervortritt, tret ich an den Gang ins Schlachtgefild.
Du laß in Gottes Hut, allein mit meinem Mut,
Mich gehn, und halte du mein Sabulheer in Hut.
Wenn ich den Feind erleg in diesem Waffengange,
Nicht auf der Walstatt werd ich dann dir säumen lange.
Doch anders wenn ergeht der himmlische Bescheid,
Vollführe du kein Weh, und mache du kein Leid!
Einbrechen sollt ihr nicht, um meinen Tod zu rächen,
Ins Feindesheer; ihr sollt nach Sabul gleich aufbrechen;
So sollt ihr unterwegs, und so zu Hause sprechen:
So war es ihm verhängt an seines Alters Rand,
Daß seinen Tod er fand von eines Jünglings Hand.
Zur Mutter dort im Ton der Tröstung sollst du sagen:
Um Rostem, deinen Sohn, sollst du zusehr nicht klagen!
Soviel erschlug er schon, und ward nun auch erschlagen.
Du wurdest alt, und sahst alt werden deinen Sohn;
Nun lebe länger noch, wenn er gestorben schon!
Er hat sein Werk getan, und hat nun seinen Lohn.
So manches Abenteur im Heldenungestüm
Bestand er, Ungeheur und Riesenungetüm.
So manches feste Schloß mit Mauerkranze brach er,
So manchen Mann vom Ross mit seiner Lanze stach er.
Doch an des Todes Schloß am Ende pochen muß,
Wer immer auf ein Ross gehoben seinen Fuß.
In diesem Jagdrevier ist ungejagt geblieben
Kein Jäger, ewig hier kein Treiber unvertrieben;
Ein Freibrief ward auch mir vom Himmel nicht geschrieben.
Sewar! zum Schlaftrunk gib mir noch den Becher Wein,
Und laß das Uebrige dem Glück empfolen sein!
So sprach er, und die Nacht ward mit Gespräch von Schlacht
Und Suhrab halb, und halb mit Ruh und Schlaf verbracht.

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Autor
Friedrich Rückert
Título
Neuntes Buch
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-neuntes-buch--friedrich-ruckert-ce6daf
Cita recomendada
Friedrich Rückert, «Neuntes Buch», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-neuntes-buch--friedrich-ruckert-ce6daf.html

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