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PoetósferaLa BibliotecaFriedrich Rückert

Friedrich Rückert · Romanticismo

Siebentes Buch

alemán

64.

Dem Suhrab sagtens an Wachtposten, daß nun kam
Das Heer, und er vernam die Meldung ohne Gram,
Vielmehr mit Freude, weil es ihn verdroß, so lange
Hier oben auf den Gast zu warten zum Empfange.
Denn alles hatt er längst für solchen Gast bereit,
Die feste Burg, sein Heer, und seine Tapferkeit.
Er nam den Baruman, der an den Wällen baute,
Und fürt' ihn schnell hinauf, wo man ins Freie schaute.
Dort mit dem Finger zeigt' er deutend, Schar um Schar,
Dem Baruman das Heer, an dem kein Ende war.
Wie sich ein Habicht freut, den großen Flug der Tauben
Zu sehn, von dem er sich nach Lust will eine rauben;
Es schreckt ihn nicht zumal die Meng, ihn freut die Zal,
Daß von so vielen er soll haben freie Wal:
So freute Suhrab sich, das junge Heldenblut,
Der gegen ihn zum Kampf gezognen Menschenflut.
Doch Barman, wie er sah das große Heer, ward klein
Das Herz ihm, und vor Furcht zog er den Atem ein.
Zu dem erblaßten sprach der junge Held mit Scherz:
Bring Farb auf deine Wang, und an sein Fleck dein Herz!
Sieh, wie im Waffenglanz das Lager ist entglommen!
Soviele sind um Ruhm zu bringen mir gekommen!
Der Ruhm ist ewig mein, und würd ich auch erliegen
So großem Heer; doch hab ich Mut es zu besiegen.
Solch eine Menschenflut, wie eines Weltmeers Wogen,
Ist gegen einen Fels im Sturm heran gezogen!
Aus seiner Ruhe ward Keikawus aufgestört,
Als meinen Namen er in Istachar gehört.
In Schreck und Hast hat er um seinen Thron gerafft
Zusammen jeden Schaft und jedes Armes Kraft;
Und hergezogen kommt er nun mit allen Helden
Von Iran, deren Preis in Turan Lieder melden.
O sage, siehst du nicht dort im Gedränge dicht
Solch einen Mann, mit dem am liebsten Suhrab ficht!
Solch einen, der nie bricht die Lanz an einem Wicht,
Und der vom Sattel gern nur seines gleichen sticht!
Wovon der Ehre Licht hinfort mein Angesicht
Bestralt, wenn ich vor ihm bestanden mit Gewicht!
O siehst du, gib Bericht, solch einen Mann mir nicht?
So fragt' er ungestüm, doch nicht beim Namen wollte
Er nennen jenen, der sobald ihn fällen sollte.

65.

Darauf sprach Baruman: Ich sehe mehr als einen,
Der Ehre bringen kann; doch welchen magst du meinen?
Dir lodert hoch der Mut wie eine Feuerglut;
O falle nicht dein Brand in kalte Waßerflut!
Der Feuerbrand, wenn er ins Waßer fällt, so zischt
Er ungestüm und braust, qualmt unmutvoll und lischt.
Nie fühle Furcht ein Mann, jedoch Feind und Gefar
Acht er niemals gering; das Glück ist wandelbar.
Soweit es will, führt dichs ohn Anstoß; willst du weiter
Um einen Schritt, so stockt das Ross und stürzt der Reiter.
In Frieden schlief der Krieg, du hast ihn aufgeweckt;
Weißt du, nach welcher Beut er seine Krallen streckt?
Darum, wenn du mich siehst erzittern: nicht für mich,
Für alle, die das Loß kann treffen, zitter' ich;
Ich zitter' auch für dich, weil dich es treffen kann;
Denn wo das Unglück wält, wälts nicht den schlechtsten Mann.
Geh mannhaft in den Kampf, und dem Afrasiab
Trag ab dafür den Dank, der dir die Heermacht gab!
Halt, von der Burg gedeckt, und an die Burg gelehnt,
In Schirm das Heer; und wenn dein Herz nach Ruhm sich sehnt,
So ruf zum Einzelkampf solch einen Mann für alle,
Mit welchem, wenn er fällt, der Stolz von Iran falle!
Ruf einen nur, den du vor allen siehest ragen,
Und fäll ihn ohne viel zu sagen und zu fragen.
Sag ihm nicht, wer du bist; frag ihn nicht, wie er heißt;
Bis das Geheimnis ihm dein blutig Schwert entreißt. —
So sprach er wolbedacht, mit Wahrem Falsches mischend,
In Rates Honigseim Verrates Gift auftischend.
Den Rostem nannt er nicht, vor Rostem zittert' er,
Noch von Masenderan kannt er den Rostem her.
Den Rostem wollt er nun und Rostems Sohn verderben,
Zwei solche Helden! das zwang ihn sich zu verfärben.
Doch Suhrabs Seele war von reinem Mut erglüht,
Darum der Rose gleich war seine Wang erblüht.
Vom Walle stieg er froh hinab, vom Schenken nam
Er einen Becher Wein und leert' ihn ohne Gram.
Dann rüstet' er ein Maal mit Lauten und mit Leiern,
Um in der Freunde Kreiß des Feinds Ankunft zu feiern.

66.

In Irans Lager war inzwischen Zelt an Zelt
Gepflanzt, und drein gedrängt das Leben einer Welt.
Es war als müßte Raum den Rossen und Kamelen
Und Elefanten all, geschweige Futter, felen.
Doch wie der Lagerwald begann nach allen Seiten
Zu wachsen und im Kreiß den Umfang auszubreiten,
Schloß Reih an Reihe sich geschickt, und sie vergaßen
In ihrer Zeltstadt auch Marktplätze nicht und Straßen.
Da wogte bald Verkehr geschäftig hin und her,
Und die Verwirrung ward zur Ordnung immer mehr.
Die Sonne gieng hinab am abendlichen Himmel,
Und sah mit Staunen noch auf Erden das Gewimmel.
Da fanden Dach und Fach nun alle nach und nach,
Und über allen war des Himmels dunkles Dach.
Doch als an seinem Ort sich jeder eingetan,
Da trat zum Schah sofort des Reiches Pehlewan,
Und Rostem sprach: ich will nicht hier im Lager rasten,
Dort oben auf der Burg will ich bei Suhrab gasten.
Mein Herz hat keine Ruh, bis meine Augen haben
Gesehn von Angesicht zu Angesicht den Knaben.
Den Türkenknaben, den uns mit soviel Geschrei
Der Ruf genannt hat, will ich ansehn, wer er sei,
Ob wert der Mühe, daß ich auf den Rachs mich schwang,
Und eine Ehre mir, wann ich ihn niederrang.
Gewesen bin ich selbst vordem in Türkenland,
Anlegen will ich nun ein türkisches Gewand.
Darunter soll nicht, wer mich nicht beim Lichte näher
Besieht, so leicht erspähn, daß Rostem sei der Späher.
Kawus! dein Lager ist von deinem Volk verwart;
Gib, ich bin müßig hier, Urlaub zur Nachtausfart!
Mit Lachen sprach der Schah: Stets wird das Krongeschmeide
Von Iran Rostem sein, auch unterm Türkenkleide.
Am Tage nicht der Schlacht des Heeres Arm allein,
Du willst auch in der Nacht desselben Auge sein.
Geh unter Gottes Schutz! in welchem Waffenputz
Du gehn magst, unserm Reich und dir gereichs zu Nutz!

67.

Um seine Schultern nam ein Kleid nach Türkenart
Tehemten, und begab sich heimlich auf die Fart.
Den Panzer und den Helm und jedes Waffenstück
Ließ er im Zelt, sogar sein Schwert ließ er zurück.
Deswegen fühlte sich der Held zu Hieb und Streich
Nicht wehrlos; denn sein Arm war einer Keule gleich.
Er gieng bis er hinan zum weißen Schloße kam,
Und drinnen das Geschrei der Türken schon vernam.
Durchs Tor stracks in den Hof gieng Rostem ohne Scheu,
Wie in den offnen Stall der Rinder Nachts ein Leu,
Beim ländlichen Gehöft im Felde, wo die Hirten
An einem Feiertag sich in der Nacht bewirten,
Und denken nicht bei Saus und Braus und Schmaus daran,
Daß sie dem Feinde nicht die Stalltür zugetan.
Da geht er in den Stall, wo ihre Rinder sind,
Hinein, und trägt davon das schönste stärkste Rind.
Es brüllt, im Rachen schon des Löwen, voll Verzagen,
Und alle springen auf, den Raub ihm abzujagen;
Er aber hat den Raub in Sicherheit getragen.
Sie kehren leer zurück und traurig, für den Rest
Der Nacht ist nun gestört der Hirten Freudenfest.
So gieng durchs offne Tor, geöffnet durch Betören,
Rostem hinein, das Fest der Türken drin zu stören.
Er sah den weiten Hof erfüllt von Fackelglanz,
Von lärmendem Gelag, Gesang und Spiel und Tanz.
Denn Suhrab hatte dort das nächtge Fest bestellt,
Und all die Edelsten des Heeres sich gesellt.
Doch Rostem wich dem Glanz der Lichter aus, und sah
Vom dunklen Winkel fern im Hellen alles nah.

68.

Da saß beim frohen Fest, in Mitte Fackelscheins
Und Lautenklangs, Suhrab, und trank die Becher Weins.
Auf seinem Haupte trug er, statt den Helm, den Kranz;
Er war ein Glanz, und war bestralt vom hellen Glanz.
Er blühte wie ein Reis von Schönheit und von Lust,
Von Jugend und von Kraft geschwellt war seine Brust.
Hoch hob er stolz das Haupt, und seiner Augen Stral,
Umgehend in die Rund, erleuchtete das Mal;
Da überzält' er froh die unzälbare Zal
Der Kriegsgefärten, die um ihn im Kreiße saßen
Als Trinkgenoßen nun, und ihren Wein vergaßen
Vor Staunen, wie sie ihn sahn prangen solchermaßen.
Da riefen sie laut einmal übers andre Preis
Und Heil, Lobpreis und Heil dem blühnden Ehrenreis!
Die Sterne selber sahn vom hohen Himmel nieder
Mit Wolgefallen auf die hohen Heldenglieder;
Allein sie schienen ihn mitleidig anzusehn,
Weil er ein Stern war, der so früh sollt untergehn.
Da sprach ein Himmelsstern zum andern mitleidvoll:
Schad um die Blüte, die im Lenz hinwelken soll!
Soviel des Schönen schon auf Erden sahn wir prangen,
Und eh wir einen Blick verwendet, wars vergangen.
Doch keine Knospe sahn wir glänzender und heller
Aufgehn, um trauriger dahinzugehn und schneller.
Wenn seine Mutter doch, die ihn, ihr einzig Glück,
Entsendet hat, und nie daheim empfängt zurück,
Wenn seine Mutter ihn mit unsrer Augen Stral
Noch einmal könnte sehn bei diesem Freudenmal,
In seiner Lust und und Kraft, den Baum im frischen Saft,
Den morgen schon villeicht dahin sein Schicksal rafft!

69.

So sprachen von dem Stern des Festes dort die Sterne
Des Himmels; eine Gunst erzeigten sie ihm gerne.
Da namen sie von Duft und Glanze, was im Raum
Von Erd und Himmel war, und woben einen Traum.
Wie einen Teppich bunt, mit reichem Gold gestickt,
Der Braut ein Bräutigam aus fernem Lande schickt,
Auf welchem sie erblickt mit staunendem Gefallen
Die Bilder abgeprägt von jenen Dingen allen,
Die ihr Geliebter selbst nun sieht in fremden Räumen,
Die Vögel unbekant auf unbekanten Bäumen;
Und so wie sie den Schmuck betrachtet, ist es ihr,
Sie reise dort mit ihm, er ruhe bei ihr hier:
Ein solcher Abdruck war vor allem eingewoben
Dem Traumgewebe, das die Sterne dort erhoben.
Leis hoben sie empor das glänzende Gewebe,
Und gaben es der Luft zu tragen, daß es schwebe
Nach Turan, wo im Schlaf die Mutter Suhrabs lag,
Da sah sie einen Traum so hell als wär es Tag.
Beim nächtlichen Gelag sah sie den Sohn da sitzen,
Den Becher in der Hand von Edelsteinen blitzen,
Sah seine Wangen blühn, und seine Lippen glühn,
Und seine Augen sprühn; ganz war er stolz und kühn;
Wie freut' es sie zu sehn ihr Reis der Hoffnung grün!
Gewachsen schien er ihr selbst in der kurzen Zeit,
Daß sie ihn ausgesandt, an Kraft und Herrlichkeit.
Sie sah auf ihren Sohn umher im Kreiß der Lichter
Gekehrt bekante viel und unbekante Gesichter;
Die alle sah sie hell in heitrer Freude funkeln,
Doch seinen Vater sah sie nebenaus im Dunkeln.
Sie war betrübt, es nam sie Wunder, warum nicht
Rostem zu seinem Sohn vortreten wollt ans Licht.
Doch wie ein Wolkenschaur so flog ihr Gram vorbei;
Sie freute sich, daß nah dem Sohn der Vater sei:
Er würde, wenn er nur säh das Erkennungszeichen,
Dem Sohne freudig nahn und ihm die Hände reichen.

70.

Von Suhrabs Mutter ward inzwischen so geträumt,
Er aber saß beim Fest vergnügt und aufgeräumt.
Er trank, und hieß im Kreiß die Trinkgenoßen trinken;
Zwei aber saßen ihm zur Rechten und zur Linken.
Zur Linken Baruman, den ihm Afrasiab
Aus Turan nicht aus Lieb und nicht zum Heil mitgab;
Zur Rechten aber Send, den hatte mitgegeben
Dem Sohn die Mutter, die ihn liebte wie ihr Leben.
Der war vom Königshaus Semengans ihm ein Vetter,
Und werden sollt er ihm im fremden Land ein Retter.
An allen Gliedern stark war er und hoch von Wuchs,
An allen Sinnen scharf, von Augen wie ein Luchs.
Er sah bei Nacht alswie bei Tag; und zu dem End
Entsendete sie auch mit ihrem Sohn den Send,
Damit, wenn Suhrab nun gekommen in die Nähe
Von Rostem wäre, Send den Vater ihm erspähe.
Er hatte Rostem selbst gesehn an jenem Tag,
Wo in Semengans Schloß er saß beim Gastgelag,
An jenem Abende, wo in der Nacht ihm kam
Tehmina, die als Weib er in die Arme nam.
Den Suhrab zeugt' er ihr, und als der Morgen graute,
Ritt er von dannen, den nie mehr die Gattin schaute.
Nun sandte sie den Sohn, den Vater dort zu schaun,
Und alles sagte sie dem Vetter im Vertraun.
An Suhrabs Seite nun trank er den Wein mit Schweigen,
Und dachte, morgen woll er ihm den Vater zeigen!

71.

Send aber sendete den Blick umher des Luchses,
Und nam im Dunkeln war die Lauer eines Fuchses.
Er sah dort einen Mann, der ihm verdächtig schien,
Stand auf vom Sitz und gieng, um zu besehen ihn.
Da fand er einen Mann, von Ansehn ganz gewaltig
Und riesenmäßig, elefantenleibgestaltig.
Niemals erinnert' er sich einen solcher Art
Mit Augen je gesehn zu haben und gewart;
Es wäre denn allein Rostem, an jenem Tag,
Wo in Semengan er ihn sah beim Gastgelag.
Doch dieser trug am Leib ein türkisches Gewand;
Wiewol sein Blick an ihm nicht Türkensitte fand.
Send rief ihn an: He da! warum hier also schleichst du
Im Finstern, guter Freund, und aus der Hell entweichst du?
Kehr einmal dein Gesicht her gegen mich ans Licht!
Gib Antwort! — Aber Antwort gab ihm Rostem nicht.
Da streckte kühn, um ihn zu greifen, Send die Hand,
Und fortziehn wollt er ihn am türkischen Gewand.
Tehemten aber zuckt' empor des Armes Keule,
Womit er schon im Kampf geschlagen manche Beule;
Damit gab er dem Send solch einen Schlag aufs Haupt,
Daß Send am Boden lag leblos des Sinns beraubt.
Suhrab indessen saß beim Mal, und Wunder nam
Es ihn, wo Send hingieng und noch nicht wieder kam.
Deswegen vom Gesind entsendete behend
Er einen, nachzusehn, wohin gekommen Send.
Der abgesendete lief eilig hin, und fand
Dort leblos sinnberaubt den Send gestreckt im Sand.
Der Diener lief bestürzt zum Herrn zurückgewendet,
Laut rief er aus: Der Send ist in den Tod gesendet;
Für Send ist aus der Schmaus, und das Gelag geendet.
Entsetzt vom Sitze sprang Suhrab, und eilte jach
Dahin, ihm eilten all des Festes Fackeln nach.
Bei aller Lichter Glanz sah da Suhrab erschlagen
Den lieben Freund; von wem? das kont ihm niemand sagen.

72.

Doch Suhrab rief: O weh! gebrochen ist ins Rund
Der Herde Nachts ein Wolf, weil Hirte schlief und Hund;
Der Widder stolzesten hat er zu seinem Raub
Erkoren, nieder ihn geworfen in den Staub!
Verschlafne Hirten, auf! und unwachsame Hunde!
Nun nach dem Räuber macht mir im Geheg die Runde!
Da spürten sie mit Macht umher rings in der Nacht;
Es hatte sich der Wolf längst aus dem Staub gemacht.
Doch Suhrab kam zurück zu seinem Platz beim Feste;
Da saß er traurig nun, und traurig alle Gäste.
Er sprach: Es freuet mich nun hier der Sitz nicht mehr;
Denn mir zur rechten Hand der Platz ist traurig leer,
Wo der geseßen, den zum Freund mir mitgegeben
Die Mutter selber, die mich lieb hat wie ihr Leben.
In Iran sollt er hier den Vater kund mir tun;
Er kont es ganz allein; wer tut nach ihm es nun?
Er sprachs, und aus der Hand ließ er den Becher sinken;
Da schämte jener sich, der saß zu seiner Linken.
Sich schämte Baruman, den dort Afrasiab
Dem Suhrab nicht aus Lieb und nicht zum Heil mitgab.
Er hätt ihm auch wie Send den Vater können zeigen;
Er kant ihn ja! doch mußt und wollt ers ihm verschweigen.
Doch Suhrab rief, und hob den vollen Becher hoch:
Ich trink in dieser Nacht den letzten Becher noch,
Mit blutigem Gelübd erfüllt, anstatt mit Wein,
Daß Sends Ermordung nicht soll ungerochen sein!
Den Mörder Sends will ich erforschen, wer er sei,
Ihn morden für den Mord, wohnt soviel Kraft mir bei!
Wonicht, so werde Gift der Wein mir in den Adern,
Und jeder Tropfe Blut soll mit dem andern hadern!
Doch nicht mit Einem sei die Schuld ihm abgetragen;
Zur Sühne Sends will ich ein ganzes Heer erschlagen.
Allein vor allen soll erfahren meinen Groll,
Wer Send erschlug, versehrt hat er mich schmerzensvoll.
Er riefs, und wußte nicht, auf wen er also grollte,
Und daß er nicht den Schwur an ihm erfüllen sollte.
Dann brach er auf vom Fest, um in den nächtigen Schatten
Bei Fackelglanz den Send mit Ehren zu bestatten.

73.

Doch Rostem kam, als er vom weißen Schloß entrann,
Ans Lager, wo die Wacht hielt Gew, sein Tochtermann.
Der wußte nicht, daß in der Nacht sein edler Schwäher
Im Türkenkleid hinaus gegangen war als Späher.
Als nun ein Mann herbei im Dunkeln kam, tat er
Vom Posten einen Schrei, und unter Wehr trat er.
Als Rostem merkt', es sei sein Eidam, froh naht' er.
Im Laufe tat er ihm entgegen einen Wuf,
Und Gew erkante gleich den Rostem an dem Ruf.
Erstaunt sprang er hinzu, und grüßt' ihn: Alter Held,
Wo bist umher gerannt zu dieser Stund im Feld?
Hast du mit Geistern deinen Bund gemacht bei Nacht,
Mit Zauberweihungen dich vorgestärkt zur Schlacht?
Denn mit Dämonen hast du kämpfend viel verkehrt;
Die haben wol ein Stück von Schwarzkunst dich gelehrt,
Daß, ohne Furcht und Leid, du ohne Heergeschmeid,
Dich aus dem Lager stilst in einem Türkenkleid!
Doch Rostem sprach: So ist die Sach! in dieses Tuch
Gewickelt, macht ich auf der Burg den Nachtbesuch.
Ich wollte mir daselbst den jungen Mann besehn,
Um dessen willen dieß Heeraufgebot geschehn.
Fern sah ich ihn, und gern wollt ich ihn sehen näher;
Doch mich den Späher hat erspäht ein andrer Späher.
Der wollte mit Gewalt ans Licht mich ziehn am Kragen;
Im Dunkeln hab ich ihn mit dieser Faust erschlagen.
Ich kam nicht sanfter los von ihm, es tat mir leid;
Doch nun verdrießt am Leib mich dieses Türkenkleid.
Schaff mir ein persisches, damit mich nicht die Hunde
Anbellen, wenn ein Türk im Lager macht die Runde!
So sprach er, und geschwind bracht ihm der Tochtermann
Ein persisches Gewand, das legt' er eilig an.
Er warf das Türkenkleid von sich mit Unbehagen;
Fast wollt er lieber, daß ers nicht bei Nacht getragen,
Als ahnet' er den Lohn, den diese Tat ihm trug:
Denn sich tat ers zu Leid, daß er den Send erschlug.
Zu Kawus gieng er nicht, um ihm, was er vollbracht,
Zu sagen; in sein Zelt gieng er, und schlief die Nacht.

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Romanticismo
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