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Gustav Schwab · Romanticismo

Der Reiter und der Bodensee (Gedichte)

alemán

36440Der Reiter und der Bodensee.
95Mündlich.

Der Reiter reitet durchs helle Thal,
Auf Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.

Er trabet im Schweiß durch den kalten Schnee,
Er will noch heut an den Bodensee;

5Noch heut mit dem Pferd in den sichern Kahn,
Will drüben landen vor Nacht noch an.

Auf schlimmem Weg, über Dorn und Stein,
Er braust auf rüstigem Roß feldein.

Aus den Bergen heraus, ins ebene Land,
10Da sieht er den Schnee sich dehnen, wie Sand.

Weit hinter ihm schwinden Dorf und Stadt,
Der Weg wird eben, die Bahn wird glatt.

In weiter Fläche kein Bühl, kein Haus,
Die Bäume gingen, die Felsen aus;

15So flieget er hin eine Meil’, und zwei,
Er hört in den Lüften der Schneegans Schrei;

Es flattert das Wasserhuhn empor,
Nicht anderen Laut vernimmt sein Ohr;

Keinen Wandersmann sein Auge schaut,
20Der ihm den rechten Pfad vertraut.

365Fort gehts, wie auf Sammt, auf dem weichen Schnee,
Wann rauscht das Wasser, wann glänzt der See?

Da bricht der Abend, der frühe, herein:
Von Lichtern blinket ein ferner Schein.

25Es hebt aus dem Nebel sich Baum an Baum,
Und Hügel schließen den weiten Raum.

Er spürt auf dem Boden Stein und Dorn,
Dem Rosse gibt er den scharfen Sporn.

Und Hunde bellen empor am Pferd,
30Und es winkt im Dorf ihm der warme Heerd.

„Willkommen am Fenster, Mägdelein,
An den See, an den See, wie weit mags seyn?“

Die Maid sie staunet den Reiter an:
„Der See liegt hinter dir und der Kahn.

35Und deckt’ ihn die Rinde von Eis nicht zu,
Ich spräch’, aus dem Nachen stiegest du.“

Der Fremde schaudert, er athmet schwer:
„Dort hinten die Eb’ne, die ritt ich her!“

Da recket die Magd die Arm’ in die Höh’:
40„Herr Gott! so rittest du über den See:

In den Schlund, an die Tiefe bodenlos,
Hat gepocht des rasenden Hufes Stoß!

366Und unter dir zürnten die Wasser nicht?
Nicht krachte hinunter die Rinde dicht?

45Und du wardst nicht die Speise der stummen Brut?
Der hungrigen Hecht’ in der kalten Fluth?“

Sie rufet das Dorf herbei zu der Mähr’,
Es stellen die Knaben sich um ihn her;

Die Mütter, die Greise, sie sammeln sich:
50„Glückseliger Mann, ja, segne du dich!

Herein zum Ofen, zum dampfenden Tisch,
Brich mit uns das Brot und iß vom Fisch!“

Der Reiter erstarret auf seinem Pferd,
Er hat nur das erste Wort gehört.

55Es stocket sein Herz, es sträubt sich sein Haar,
Dicht hinter ihm grins’t noch die grause Gefahr.

Es siehet sein Blick nur den gräßlichen Schlund,
Sein Geist versinkt in den schwarzen Grund.

Im Ohr ihm donnerts, wie krachend Eis,
60Wie die Well’ umrieselt ihn kalter Schweiß.

Da seufzt er, da sinkt er vom Roß herab,
Da ward ihm am Ufer ein trocken Grab.

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Autor
Gustav Schwab
Título
Der Reiter und der Bodensee (Gedichte)
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-der-reiter-und-der-bodensee-gedichte--gustav-schwab-a764b2
Cita recomendada
Gustav Schwab, «Der Reiter und der Bodensee (Gedichte)», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-der-reiter-und-der-bodensee-gedichte--gustav-schwab-a764b2.html

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