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Gustav Schwab · Romanticismo

Das Mahl zu Heidelberg

alemán

227
Das Mahl zu Heidelberg.
Von Württemberg und Baden
Die Herren zogen aus,
Von Metz des Bischofs Gnaden
Vergaß das Gotteshaus;
5Sie zogen aus zu kriegen
Wohl in die Pfalz am Rhein,
Sie sahen da sie liegen
Im Sommersonnenschein.

Umsonst die Rebenblüthe
10Sie tränkt mit mildem Duft,
Umsonst des Himmels Güte
Aus Aehrenfeldern ruft:
Sie brannten Hof und Scheuer,
Daß heulte groß und klein;
15Da leuchtete vom Feuer
Der Neckar und der Rhein.

Mit Gram von seinem Schlosse
Sieht es der Pfälzer Fritz;
Heißt springen auf die Rosse
20Zwei Mann auf einen Sitz.
Mit enggedrängtem Volke
Sprengt er durch Feld und Wald,
Doch ward die kleine Wolke
Zum Wetterhimmel bald.

25228 Sie wollen seiner spotten,
Da sind sie schon umringt,
Und über ihren Rotten
Sein Schwert der Sieger schwingt.
Vom Hügel sieht man prangen
30Das Heidelberger Schloß,
Dorthin führt er gefangen
Die Fürsten sammt dem Troß.

Zu hinterst an der Mauer,
Da ragt ein Thurm so fest,
35Das ist ein Sitz der Trauer,
Der Schlang’ und Eule Nest:
Dort sollen sie ihm büßen
Im Kerker trüb und kalt,
Es gähnt zu ihren Füßen
40Ein Schlund und finst’rer Wald.

Hier lernt vom Grimme rasten
Der Württemberger Utz,
Der Bischof hält ein Fasten,
Der Markgraf läßt vom Trutz.
45Sie mochten schon in Sorgen
Um Leib und Leben seyn,
Da trat am andern Morgen
Der stolze Pfälzer ein.

„Herauf, ihr Herrn gestiegen,
50In meinen hellen Saal!
Ihr sollt nicht fürder liegen
In Finsterniß und Qual.
229 Ein Mahl ist euch gerüstet,
Die Tafel ist gedeckt,
55Drum wenn es euch gelüstet,
Versucht ob es euch schmeckt!“

Sie lauschen mit Gefallen,
Wie er so lächelnd spricht,
Sie wandeln durch die Hallen
60An’s gold’ne Tageslicht.
Und in dem Saale winket
Ein herrliches Gelag,
Es dampfet und es blinket,
Was nur das Land vermag.

65Es satzten sich die Fürsten;
Da mocht’ es seltsam seyn!
Sie hungern und sie dürsten
Beim Braten und beim Wein;
„Nun, will’s euch nicht behagen?
70Es fehlt doch, deucht mir nichts?
Worüber ist zu klagen?
An was, ihr Herrn, gebrichts?“

„Es schickt zu meinem Tische
Der Odenwald das Schwein,
75Der Neckar seine Fische,
Den frommen Trank der Rhein!
Ihr habt ja sonst erfahren,
Was meine Pfalz bescheert!
Was wollt ihr heute sparen,
80Wo Keiner es euch wehrt?“

230 Die Fürsten sah’n verlegen
Den Andern Jeder an,
Am Ende doch verwegen
Der Ulrich da begann:
85„Herr, fürstlich ist dein Bissen,
Doch Eines thut ihm Noth,
Das mag kein Knecht vermissen!
Wo ließest du das Brod?“

„„Wo ich das Brod gelassen?““
90Sprach da der Pfälzer Fritz,
Er traf, die bei ihm sassen,
Mit seiner Augen Blitz;
Er that die Fensterpforten
Weit auf im hohen Saal,
95Da sah man aller Orten
In’s off’ne Neckarthal.

Sie sprangen von den Stühlen,
Und blickten in das Land,
Da rauchten alle Mühlen
100Rings von des Krieges Brand;
Kein Hof ist da zu schauen,
Wo nicht die Scheune dampft,
Von Rosses Huf’ und Klauen
Ist alles Feld zerstampft.

105„Nun sprecht, von wessen Schulden
Ist so mein Mahl bestellt?
Ihr müßt euch wohl gedulden,
Bis ihr besä’t mein Feld,
231 Bis in des Sommers Schwüle
110Mir reifet eure Saat,
Und bis mir in der Mühle
Sich wieder dreht ein Rad.“

„Ihr seht, der Westwind fächelt
In Stoppeln und Gesträuch;
115Ihr seht, die Sonne lächelt,
Sie wartet nur auf euch!
D’rum sendet flugs die Schlüssel,
Und öffnet euren Schatz,
So findet bei der Schüssel
120Das Brod den rechten Platz!“

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Autor
Gustav Schwab
Título
Das Mahl zu Heidelberg
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-das-mahl-zu-heidelberg--gustav-schwab-8a283d
Cita recomendada
Gustav Schwab, «Das Mahl zu Heidelberg», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-das-mahl-zu-heidelberg--gustav-schwab-8a283d.html

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