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Gustav Schwab · Romanticismo

Der Spuck auf dem Bodensee

alemán

Einst sang ich von dem Reiter, der über Eis und Schnee
Hinflog in vollem Trabe wohl durch den Bodensee,
Und drüben angekommen, erst von der Kunde krank,
Auf gutem festen Boden vom Pferde sterbend sank.

5Nun höret neue Wunder: der See ist wieder zu,
Auf uferloser Fläche wohnt stumme Grabesruh’,
Wie Schafe geh’n zur Weide, die Nebel wollicht, bleich,
Es liegt der Mond in Strahlen, gemähtem Grase gleich.

Sonst pfiff der Wind im Segel, der Vogel sang im Blau,
10Die Hechte sandten plätschernd empor der Woge Thau;
Jetzt hat die bange Wüste, die starre, keinen Mund,
Der Vogel fiel erfroren, die Welle schläft im Grund. –

5
Was jagt in schnellem Sturme die Nebelwolken auf?
Was auf des Eises Estrich ertönt wie Rosses Lauf?
15Was fliegt mit Peitschenknalle heran? Der Duft zerreißt:
Ein Reiter eilt vorüber – ist es des Todten Geist?

Und kaum ist er verschwunden, in Duft und Luft getaucht,
Schon wieder blinkt’s im Dunste, der mondbeschienen raucht;
Es trabt, es rollt, es wiehert, ein Schlitten kommt heran,
20Vier schwarze Rosse rennen mit ihm auf glatter Bahn.

In grünem Kleid ein Großer, sein Bart hat rothen Schein,
In schwarzem Rock ein Kleiner, schwarzaugig, bleich und fein,
Ein Dritter, dicht verhüllet, und eine zarte Frau,
Doch Alles schnell verschwindet im Nebel breit und grau.

25Und auf dem Eismeer lagert sich Stille wie zuvor,
In Osten thürmt sich riesig die Nebelwand empor;
Kein Klang und keine Farbe, bis blaß der Morgen graut,
Und auf der todten Ebne nur Eis und Wolken schaut.

290„So leg’ uns doch, o Sänger, das wüste Traumbild aus,
30Was für Gespenster bringst du in kalter Nächte Graus?
Für welche Sünde wallen sie hier durch Schreckensnoth –
Und wagen auf dem Eise, schon todt, den zweiten Tod?“

Gespenster? ei, wer sagte, daß es Gespenster sind?
Meint ihr, mit alten Mähren erschreck’ ich Weib und Kind?
35Was euch mein Lied berichtet, geschah in diesem Jahr,
Am ersten hellen Sonntag im strengen Februar.

Die vier geschwinden Rappen sind keine Höllenbrut,
Zu Immenstadt im Stalle dort stehn sie ausgeruht,
Dort winkt der schmucke Schlitten, er liegt nicht in dem Grund,
40Und friert der See nur wieder, so trotzt mit ihm dem Schlund!

Und die darüber fuhren im Mondschein kalt und hell,
Sucht in der Schweiz die Kühnen, fragt an zu Bischofszell,
Klopft an zu Eppishausen; wer kennt den Meister * nicht?
Der hat die Fahrt bestellet, der sandte mir Bericht.

45Sie leben Alle fröhlich, sie sind ein christlich Blut,
Voran Herr Sepp, der gerne den Wandrern gütlich thut;
Nur spricht man, daß er heimlich nach manchem Schatze gräbt,
Und mit den alten Geistern in einem Bunde lebt.

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Autor
Gustav Schwab
Título
Der Spuck auf dem Bodensee
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-der-spuck-auf-dem-bodensee--gustav-schwab-f2e6f1
Cita recomendada
Gustav Schwab, «Der Spuck auf dem Bodensee», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-der-spuck-auf-dem-bodensee--gustav-schwab-f2e6f1.html

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