825Wiederfinden.
Ist es möglich? Stern der Sterne,
Drück’ ich wieder dich ans Herz!
Ach! was ist die Nacht der Ferne
Für ein Abgrund, für ein Schmerz.
5Ja du bist es! meiner Freuden
Süßer, lieber Widerpart;
Eingedenk vergangner Leiden
Schaudr’ ich vor der Gegenwart.
Als die Welt im tiefsten Grunde
10Lag an Gottes ew’ger Brust,
Ordnet’ er die erste Stunde
Mit erhabner Schöpfungslust,
Und er sprach das Wort: Es werde!
Da erklang ein schmerzlich Ach!
15Als das All, mit Machtgebärde,
In die Wirklichkeiten brach.
Auf that sich das Licht! sich trennte
Scheu die Finsterniß von ihm,
Und sogleich die Elemente
20Scheidend auseinander fliehn.
Rasch, in wilden wüsten Träumen,
Jedes nach der Weite rang,
Starr, in ungemessnen Räumen,
Ohne Sehnsucht, ohne Klang.
25Stumm war alles, still und öde,
Einsam Gott zum erstenmal!
Da erschuf er Morgenröthe,
Die erbarmte sich der Qual;
Sie entwickelte dem Trüben
30Ein erklingend Farbenspiel,
Und nun konnte wieder lieben,
Was erst auseinander fiel.
Und mit eiligem Bestreben
Sucht sich, was sich angehört,
35Und zu ungemessnem Leben
Ist Gefühl und Blick gekehrt.
Sey’s Ergreifen, sey es Raffen,
Wenn es nur sich fasst und hält!
Allah braucht nicht mehr zu schaffen,
40Wir erschaffen seine Welt.
So, mit morgenrothen Flügeln
Riß es mich an deinen Mund,
Und die Nacht mit tausend Siegeln
Kräftigt sternenhell den Bund.
45Beyde sind wir auf der Erde
Musterhaft in Freud und Qual,
Und ein zweytes Wort: Es werde!
Trennt uns nicht zum zweytenmal.