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Carl Arnold Kortum · Romanticismo

Vierundzwanzigstes Kapitel

alemán

1. Nichts ist wunderlicher als das menschliche Glücke,
Es verändert sich oft in einem Augenblicke,
Es ist, nach dem Sprüchwort, kugelrund,
Und bald oben, bald unten, bald weiß, bald bunt.

2. Das haben besonders seit ein halb Dutzend Jahren
Viele große Herren hier und da erfahren,
Könige, Prinzen, Grafen und Dücs
Fühlten bekanntlich den Wechsel des Glücks.

3. Es erniedrigt und stürzt bald jenen, bald diesen,
Macht Sprachmeister aus ehmaligen Marquisen
Und aus Comten, Chevaliers und Messieurs
Tanzmeister, Friseurs und Serviteurs.

4. Es necket Großmeister, Dogen und Hohepriester,
Favoritinnen und fromme Staatsminister,
Und es ist ihm durchaus einerlei,
Weß Standes oder Würden jemand sei.

5. Ja wahrlich, man muß billig erstaunen
Ueber der Frau Fortunens Wechsellaunen;
Wir machen indessen nur hievon
Auf Herrn Pfarrer Jobs Application.

6. Daß dieser ein wahrer Glücksball gewesen,
Haben wir im ersten und zweiten Theile gelesen,
Und dasselbe ist nun abermal
Im jetzigen dritten Theile der Fall.

7. Nämlich es war damals die Epoche der Ohnehosen,
Und in Deutschland hausete ein Heer von Franzosen;
Auch predigte man zu derselbigen Zeit
Ueberall von Freiheit und Gleichheit.

8. Auch in Ohnwitz schien unter einigen Leuten
Sich der Sansculottismus hier und da zu verbreiten,
Und Herr von Ohnwitz fürchtete für sein Theil
Daraus endlich ein großes Unheil;

9. Hat drum dem Herrn Pfarrer Jobs aufgetragen,
Auf der Kanzel einmal der Gemeinde zu sagen,
Sie sollten sehn den biblischen Spruch an:
Ein jeder sei der Obrigkeit unterthan.

10. Dieser hat dann auch dergestalten
Bald drauf eine scharfe Predigt gehalten,
Welche, als einzig stark in ihrer Art,
Gleich auch im Drucke gegeben ward.

11. Nicht allein in der Ohnwitzer Gemeine,
Sondern auch in der ganzen Gegend am Rheine
Wurde dieselbe verbreitet im Land,
Folglich auch den Herren Franken bekannt.

12. Sie haben sich dieses ^ad notam^ genommen,
Und als sie ^ex post^ nach Ohnwitz gekommen,
So hieß es: »^Le diable emportera
Le curé d'Ohnwitz, ce coquin là!^«

13. Kaum konnte er in diesen dringenden Nöthen
Sich eilig genug aus dem Dorfe retten
Und brachte nichts auf der Flucht davon
Als mit genauer Noth seine eigne Person.

14. Hätte man ihn damals selbst gefangen,
Er wäre guillotinirt oder aufgehangen,
Doch vorläufig plünderte man das Pfarrhaus
Von oben bis unten rein und gar aus.

15. Auch Herr von Ohnwitz war damals in
Großer Gefahr mit seiner Gemahlin,
Denn auch ihm wenigstens hätte man
Vielleicht am Halse was angethan.

16. Aber seine Unterthanen wagten Leib und Leben,
Für ihre gute liebe Herrschaft hinzugeben,
Und retteten sie mit Gewalt für diesmal;
Denn der Franken war keine große Zahl.

17. Indessen war keine Zeit zu verlieren,
Herr und Frau mußten schleunig emigriren,
Und höchstens ein paar hundert Gulden baar
War alles, was noch mitzunehmen war.

18. Die Franken sind bald stärker wiedergekommen,
Haben die Ohnwitzer erschrecklich mitgenommen,
Und auf dem Schlosse ward unversäumt
Alles, was vorräthig war, ausgeräumt.

19. Auch wurde ein Freiheitsbaum aufgepflanzet
Und lustig ein' Runde darum her getanzet,
Und jeder im Dorfe nahm alsdann
Theils gern, theils ungerne theil daran.

20. Auch alle übrige Güter und Schlösser
Des Herrn von Ohnwitz hatten's nicht besser,
Man machte es überall, in groß und klein,
Wo er was besaße, besemrein.

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Autor
Carl Arnold Kortum
Título
Vierundzwanzigstes Kapitel
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-vierundzwanzigstes-kapitel--carl-arnold-kortum-fe6b2c
Cita recomendada
Carl Arnold Kortum, «Vierundzwanzigstes Kapitel», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-vierundzwanzigstes-kapitel--carl-arnold-kortum-fe6b2c.html

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