„Nu ist der küele winder gar zergangen,
diu naht ist kurz, der tac beginnet langen,
sich hebet an ein wünneclîchiu zît,
diu al der werlde vreude gît.
5baz gesungen nie die vogele ê noch sît.
Komen ist uns ein liehtiu ougenweide.
man siht der rôsen wunder ûf der heide,
die bluomen dringent durch daz gras.
schône ein wise getouwet was,
5dâ mir mîn geselle zeinem kranze las.
Der walt hât sîner grîse gar vergezzen,
der meie ist ûf ein grüenez zwî gesezzen,
er hât gewunnen loubes vil.
bint dir balde, trûtgespil!
5dû weist wol, daz ich mit einem ritter wil.“
Daz gehôrte der mägde muoter tougen;
sie sprach „behalte hinne vür dîn lougen!
dîn wankelmuot ist offenbâr.
wint ein hüetel um dîn hâr!
5dû muost âne dîne wât, wilt an die schar.“
„Muoter mîn, wer gap iu daz ze lêhen,
daz ich iuch mîner waete solde vlêhen,
dern gespunnet ir nie vadem?
lâzet ruowen solhen kradem!
5wâ nu slüzzel? sliuz ûf balde mir das gadem!“
Diu wât diu was in einem schrîne versperret.
daz wart bî einem staffel ûf gezerret.
H: 25,1diu alte ir leider nie gesach.
dô daz kint ir kisten brach,
5dô gesweic ir zunge, daz si niht ensprach.
Dar ûz nam sî daz röckel alsô balde,
daz was gelegen in maneger kleinen valde.
ir gürtel was ein rieme smal.
in des hant von Riuwental.
5warf diu stolze maget ir gickelvêhen bal.
Diu alte diu begreif ein rocken grôzen.
si begunde ir tohter bliuwen unde stôzen.
„daz habe dir des von Riuwental.
rûch ist im sîn überval.
5nû var hin, daz hiute der tievel ûz dir kal!“
Diu muoter sprach har für ûz grôzem zorne:
„frou tohter, lât die rede bestên biz morne!
ez mac tâlâ niht gesîn,
wan daz urloup daz ist mîn.
5wol gelesen wât beslozzen hât mîn schrîn.“