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Rainer Maria Rilke · Vanguardias / s. XX

Kaiser Rudolf

alemán

Hoch auf seiner Himmelswarte
über einer Sternenkarte
sitzt der Kaiser Rudolf dort,
forschend, ob der langerharrte
Flugstern, der die Weisen narrte,
streifen würde diesen Ort.

Und er fragt den Astrologen,
der am hohen Himmelsbogen
alle Wanderwege weiß:
"Wird von Unglück der betrogen,
den der Stern hineingezogen
in den unheilvollen Kreis?"

Und der Alte weicht ihm leise
aus: "Der Stern zieht seine Gleise,
Herr, im fernen Ätherreich!"
Und gen Süden sieht der Weise;—
und der Kaiser schaut die Kreise
seines Globen, ernst und bleich.—

Und von Süden kommt Verderben,
kommt Matthias.—Eilge Erben
lassen ihm nur den Hradschin;
und der Kaiser spricht im herben
Spott: "Mir bleibt nichts, als zu sterben,
denn schon bin ich tot für 'ihn'.

Alter! Laß den Bück uns heben!
du hast recht, die Sterne schweben
hoch ob allem Erdenbann;
aber—die nach ihnen streben,
knüpfen selbst ihr dunkles Leben
an die lichten Lose an!—"

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Autor
Rainer Maria Rilke (1875–1926) · Wikidata Q76483
Título
Kaiser Rudolf
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-kaiser-rudolf--rainer-maria-rilke-0d735a
Cita recomendada
Rainer Maria Rilke, «Kaiser Rudolf», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-kaiser-rudolf--rainer-maria-rilke-0d735a.html

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