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Ulrich von Schlippenbach · Romanticismo

Im Schlosse zu Mitau neben der Fürstengruft

alemán

Es neigte sich der Tag, und Nebelbilder zogen
Hin an des Stromes grünen Uferrand;
Ich blickte in die Tiefe blauer Wogen
Vom Schlosse nieder, wo ich sinnend stand,
Da war es mir, als stiegen viel Gestalten
Aus nahem Grabgewölb' hervor,
Die hin am Strome auf und nieder wallten,
Nur halb verdeckt vom leichten Nebelflor,
Gehüllt im Schmuck der fürstlichen Gewande,
Wie sie die Vorzeit trug in diesem Lande.

Der Ahnherr schritt im goldnen Panzerkleide
Aus weitem Thor, von Geisterhand gesprengt,
Ein rothes Kreuz war in dem Glanzgeschmeide
Der Fürstenkrone strahlend eingesenkt;
Und Gotthard Kettler war's, den ich erkannte,
Er legte seine Hand aufs todte Herz,
Und als er seinen Blick zum Strome wandte,
Sprach aus den bleichen Zügen Schmerz;
Tief sinnend schaute er in Stromes Tiefen,
Als hörte er auf Stimmen, die ihn riefen.

Und Friederich und Jakob folgten weiter,
Sie hatten Alle sich zum Strom gewandt,
Der alten Fürsten ganze Stufenleiter
Begrüßte das geliebte Erdenland.
Im Geisterchor der Männer und der Frauen,
Der am Gestade hier versammelt war,
Stand auch ein Knabe, hold und schön zu schauen,
Mit zartem goldgelockten Haar,
Und diesen nur, mit jubelndem Entzücken,
Sah ich zur weiten Ferne blicken.

Da endlich, wo der Strom von Süden ziehend
Zum Meere hin mit leichten Wogen wallt,
Da schwebte hell in Engelreizen glühend
Im Lichtgewande eine Huldgestalt;
Sie nahte, und mit freudigem Entzücken
Schloß sie den Knaben an verklärter Brust,
Und Thränen thauten in den Geisterblicken,
Sie kündeten der Wehmuth süße Lust.
Bald hört' ich rauschend, wie der Blätter Fallen,
Des Ahnherrn Worte am Gestade hallen:

Tochter des Landes, das ich zum Lohne
Ringend und kämpfend im Leben gewann,
Trugst Du die letzte, die fürstliche Krone,
Die wie ein Tropfen im Meere zerrann.

Sind uns doch Allen die Würden zerflossen,
Allen zertrümmert der irdische Thron,
Treu doch bewahrten des Grabes Genossen
Hier in dem Kreise den lieblichen Sohn.

Schwebe mit ihm zu den strahlenden Welten,
Theile mit ihm der Unsterblichkeit Kranz;
Dort, wo die Kronen des Himmels nur gelten,
Strahlet die Deine in ewigem Glanz.

Ich blickte auf. Wie Töne leis' verhallen,
Entflohn die Bilder; nur im Abendschein
Sah Dorothea ich zum Himmel wallen
Mit Ihrem Sohn zum ewigen Verein.
Da deutete ich der Erscheinung Träumen:
Den Strom der Zeiten hatte ich gesehn,
An dessen Ufer in den stillen Räumen
Nur seliger Geister Schatten gehn. —
Dahin, dahin, zu jenes Stromes Wogen,
Bist, holde Fürstin, Du nun fortgezogen.

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Autor
Ulrich von Schlippenbach
Título
Im Schlosse zu Mitau neben der Fürstengruft
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-im-schlosse-zu-mitau-neben-der-furstengruft--ulrich-von-schlippenbach-889084
Cita recomendada
Ulrich von Schlippenbach, «Im Schlosse zu Mitau neben der Fürstengruft», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-im-schlosse-zu-mitau-neben-der-furstengruft--ulrich-von-schlippenbach-889084.html

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