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August Friedrich Ernst Langbein · Romanticismo

Hans Warsch, der Hirt von Oggersheim

alemán

335 Hans Warsch, der Hirt von Oggersheim

Im dreißigjährigen Kriegsgewühl
Nahm sich die Pfalz am Rhein
Ein span’scher Feldherr einst zum Ziel,
Und zog mit Schaaren ein.
5Er ließ um siegend vorzudringen,
Das Städtchen Oggersheim umringen.

Den Bürgern wurde kalt und heiß,
Bis noch der Trost sich fand,
Daß unentdeckt in ihrem Kreis
10Ein Fluchtweg offen stand.
Da griffen sie geschwind zum Stabe,
Und flohen mit Weib und Kind und Habe.

Hans Warsch, der Schafhirt, blieb im Ort
Der Männer ganzer Rest;
15Denn Ehehaften hielten dort
Den wackern Burschen fest.
Sein Weib, ein ihm sehr liebes Wesen,
War eines Kindleins erst genesen.

„Sieh zu, was stehet dir bevor?“
20Rathschlagte Hans mit sich.
„Das Volk umlagert Wall und Thor,
Und tobet fürchterlich.
Doch nur getrost! wie sich’s auch stelle,
Es stammt denn noch nicht aus der Hölle.

25336 Tritt mannhaft ihm vor’s Angesicht,
Und sprich ein tapfres Wort!
Das wär’ des Bürgermeisters Pflicht,
Doch lief die Memme fort.
So bist du leicht der Stadt mehr nütze,
30Als jene ausgewichne Stütze.“

Und zwischen Donnerbüchsen stand
Er plötzlich auf dem Thor,
Schwang muthig mit der rechten Hand
Ein weißes Tuch empor
35Und rief fast trotzig: „Hört, ihr Degen,
Ich soll mit euch Verhandlung pflegen.

Gelobt ihr Schutz und Sicherheit
Uns allen redlich an,
So wird euch ohne Widerstreit
40Das Thor flugs aufgethan.
Doch wollet ihr die Stadt verheeren,
So werden wir uns grimmig wehren.“

Dem Feldherrn ward, was jener sprach,
Vom Dolmetsch treu erklärt,
45Er sann darob nicht lange nach,
Er rief: „Es sei gewährt!“
Und Hans, vertrauend diesem Worte,
Eröffnete sogleich die Pforte.

Wie staunten jetzt die Spanier
50Auf ihres Einzugs Bahn,
Als sie das Städtchen um sich her
Wie ausgestorben sahn!
„Wo“, fragten sie, „wo sind die Andern,
Die sonst durch diese Gassen wandern?“

55„Sie flohn!“ versetzte Hans. „Nur mir
Hing eine Kett’ am Fuß,
Weil ich heut oder morgen hier
Kindtaufe geben muß.
Doch dürft ihr drum nicht feindlich schalten,
60Was ihr versprochen, müßt ihr halten!“

„Ei“, rief der Feldherr, „ei, wie hat
Der Schalk uns angeführt!
Doch fruchten soll’s der ganzen Stadt,
Was seinem Muth gebührt.“ –
65Drauf herrscht' er wie ein Freund gelinde
Und stand Gevatter bei dem Kinde.

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Autor
August Friedrich Ernst Langbein
Título
Hans Warsch, der Hirt von Oggersheim
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-hans-warsch-der-hirt-von-oggersheim--august-friedrich-ernst-langb-eb1828
Cita recomendada
August Friedrich Ernst Langbein, «Hans Warsch, der Hirt von Oggersheim», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-hans-warsch-der-hirt-von-oggersheim--august-friedrich-ernst-langb-eb1828.html

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