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Richard Dehmel · Vanguardias / s. XX

Drei Blicke

alemán

Die Wolken rauchten immer dunkelroter,
der Abendhimmel stand in Höllenfarben,
und wenn die fernen Blitze lautlos zuckten,
dann zuckte auch die lange Vorstadtstraße,
durch die mein Herz der sinkenden Sonne zuzog,
mit allen Fenstern hocherglühend mit,
und jede Scheibe starrte dann noch toter.

Und plötzlich schlug aus einem Trödelladen
der Heiland seine Augen zu mir auf;
er lag gekreuzigt mit ergebnem Blick
in einem alten Rahmen zum Verkauf.
Und neben ihm zwei neue Kinderpuppen;
die lächelten so fühllos himmelauf,
daß angesichts der drohenden Wolkenschwaden
mein Herz erschrak vor diesem bunten Laden.

Da zuckte wieder, und noch glasig trüber,
durch den gebrochenen Heilandsblick die Röte,
und an den Puppenaugen grell vorüber
beleuchtete der Blitz im Hintergrunde
ein Steingesicht mit stolzem Blick und Munde:
+Goethe+ —
O habe Dank, du Ewiger, jede Stunde:
du hast uns Hoheit über Tod und Leben
mit deiner selbstbewußten Stirn gegeben!

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Autor
Richard Dehmel (1863–1920) · Wikidata Q76590
Título
Drei Blicke
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-drei-blicke--richard-dehmel-41b414
Cita recomendada
Richard Dehmel, «Drei Blicke», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-drei-blicke--richard-dehmel-41b414.html

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