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Friedrich Schiller · Romanticismo

Der Riese von Marbach

alemán

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Der Riese von Marbach.
Seht ihr wie freundlich sich die Stadt
Im Neckarfluß beschauet?
Wie sie sich ihre Berge hat
Mit Reben wohl bebauet?
5Dort, wie die alte Chronik spricht,
Hat vor viel Jahren dumpf und dicht
Ein Tannenwald gegrauet.

Gelegen hat ein Riese drin,
Ein furchtbar alter Heide,
10Er bracht’ in seinem wilden Sinn
Das Schwert nicht in die Scheide,
Er zog auf Mord und Raub hinaus,
Und baute hier sein finst’res Haus
Dem ganzen Gau zu Leide.

15Die Steine zu dem Riesenhaus,
Ganz schwarz und unbehauen,
Grub er sich mit den Händen aus,
Fing eilig an zu bauen;
Er warf sie auf die Erde nur,
20Daß einer auf den andern fuhr,
Bis fertig war das Grauen.

250Es sey der Riese, sagt das Buch,
Aus Asia gekommen,
Ein Heidengötz’, ein alter Fluch,
25Zum Schrecken aller Frommen:
Mars oder Bacchus sey das Wort,
Davon Marbach, der Schreckensort,
Den Namen angenommen.

Die Steine längst verschwunden sind
30Der Wald ist ausgereutet,
Ein Mährchen ward’s für Kindeskind,
Das wenig mehr bedeutet;
Doch horchet wohl auf meinen Sang,
Der nicht umsonst mit seinem Klang
35Es jetzt zurück euch läutet.

Denn ob des Schlosses Felsengrund
Versunken ist in Schweigen,
Wird man doch d’rauf zu dieser Stund’
Euch noch ein Hüttlein zeigen,
40Und keine sechszig Jahr’ es sind,
Daß drin geboren ward ein Kind,
Dem Wundergaben eigen.

Von gutem Vater war’s ein Kind,
Von einem frommen Weibe;
45Auf wuchs es und gedieh geschwind,
Kein Riese zwar von Leibe:
Von Geist ein Riese wundersam,
Als ob der alte Heidenstamm
Ein junges Reis noch treibe.

25150Und als er groß gewachsen war,
Da sang er wilden Muthes
Von Räubern und von Mohren gar
Viel Arg’s und wenig Gutes;
Von Trug und Mord und Lügenspiel,
55Und von den Griechengöttern viel,
Als wär’ er ihres Blutes.

Auf einmal ward er stiller jetzt,
Begann ein ernstes Dichten,
Er las, in fremdes Land versetzt,
60Tiefsinnige Geschichten,
Doch ward in des Gedankens Schooß
Er noch des Heidenthums nicht los,
Laut pries er’s in Gedichten.

Im Geiste drauf in’s span’sche Land
65Hat er den Weg gefunden,
Davon gesungen allerhand
In gar großmächt’gen Kunden;
Nur den geweihten Glaubensmuth,
Des heißen Landes fromme Gluth
70Hatt’ er noch nicht empfunden .

Da jauchzt’ ihm wohl die Menge zu
Auf seinen irren Zügen,
Er aber hatte keine Ruh’
Es mocht’ ihm nicht genügen,
25275Es saß der edle Riesengeist,
In sich gekehret als verwaist,
Und seine Lieder schwiegen.

Da plötzlich sieh! erhebt er sich
Verklärt ganz und erneuet,
80Der alte, stolze Wahn entwich,
Vom jungen Licht zerstreuet.
Es zieht vor uns sein Wallenstein
In’s Leben, in den Tod hinein,
Daß es das Herz erfreuet.

85Es feiert die Friedländerin
Ein göttlich Liebessterben,
Maria wirft sich büßend hin,
Den Himmel zu erwerben,
Und hoch im ew’gen Glanze steht
90Die Frankenjungfrau fromm erhöht
Bei allen Himmelserben.

Und, ach, da kommt der freie Tell
Mit seinen Eidgenossen:
Ihm folgt der gute Sänger schnell,
95Er hat den Zug beschlossen,
Er singt im Himmel fort und fort,
Er denkt an dich, du Heimathsort,
Aus dem die Riesen sprossen.

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Autor
Friedrich Schiller (1759–1805) · Wikidata Q22670
Título
Der Riese von Marbach
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-der-riese-von-marbach--friedrich-schiller-31acfd
Cita recomendada
Friedrich Schiller, «Der Riese von Marbach», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-der-riese-von-marbach--friedrich-schiller-31acfd.html

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