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Richard Dehmel · Vanguardias / s. XX

Böser Traum

alemán

Was kannst du gegen Träume, Mensch, die tückisch
selbst auch den Männlichsten, mit Engelshänden
oder mit Teufelsfäusten, in den Himmel
samt Hölle seines Kinderglaubens führen?
In solchem Traum erschien mir heute Nacht
der böse Feind und sah mich furchtbar an.
Er hatte das Gesicht von einem Freunde,
dem ich sein Weib in aller Freundschaft nahm,
und setzte auf mein wehrlos Herz ein Messer
und sprach — nein, was er sprach, vergaß ich schon.
Er sah mit Wollust, wie die rostige Spitze
auf meiner Haut im Takte meiner Pulse
sich hob und senkte, sah mich gierig an.
Ich aber bohrte meine blauen Augen
in seine braunen tief empor und sagte:
Wenn du mich kenntest, zögertest du nicht.
Und als sein Blick ineins mit meinem sank
und bläulich wurde, dacht ich: Wärst du nicht
der böse Feind, so müßtest du mich lieben,
ich habe dich von einer Last erlöst.
Was ich dir nahm, ist niemals dein gewesen;
was du mir nehmen kannst, war niemals mein.
Drum, wenn du mußt, so töte mich! mein Tod
wird dir viel weher tun als je mein Leben,
das Keinem weher tat als Mir — „Wach auf!“ —

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Autor
Richard Dehmel (1863–1920) · Wikidata Q76590
Título
Böser Traum
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-boser-traum--richard-dehmel-d45faa
Cita recomendada
Richard Dehmel, «Böser Traum», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-boser-traum--richard-dehmel-d45faa.html

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