Apropos „Sumpfblatt“.
Wenn ihr so oft von einem „Sumpfblatt“ sprecht,
Habt ihr nur halb und unvollkommen recht;
Ihr müßt euch wohl ― so scheint es mir ― bequemen,
Noch Stengel oder Schaft dazu zu nehmen
5Und auch die Wurzeln kann ich euch nicht schenken,
Die nieder sich zur Weihertiefe senken;
Man hält am Besten sich sogleich an’s Ganze
Und spricht ― warum auch nicht? ― von einer „Pflanze“.
Und da es in der Art der Pflanzen liegt,
10Daß auf dem Stengel sich die Blüte wiegt,
So ist das Resultat die makellose,
Die weiße, schöne, stolze Wasserrose.
Die Dichter vindiciren ihr Verstand ―
Sie ist so schlau und blühet nie am Rand;
15In Weihers Mitte schwimmt sie rein und still ―
Unnahbar Jedem, der sie brechen will.
Und dieses rath ich dir, mein lieber Sohn ―
Sei nicht begehrlich, laß die Hand davon;
Bezwinge klug das fiebernde Verlangen,
20Sie mit des Stockes Krücke einzufangen,
Denn sonst verliert das Gleichgewicht dein Rumpf
Und ― plumps! ― kopfüber fällst du in den Sumpf ―
Dann hilft kein Sprudeln, Paddeln, Plätschern, Schnaufen ―
Für deinen Vorwitz mußt du still ersaufen.
25Tief ist das Wasser ― traue nicht dem Schein;
Um Gotteswillen, wate nicht hinein!
Du merkst, wenn aus du deine Rechte streckst,
Daß mit den Füßen du gefangen steckst,
Daß tief und tiefer schnell dein Leib versinkt,
30Indeß die weiße Rose spöttisch blinkt
Und zu dir nickt ironisch˶feine Grüße. ―
So hat das Gleichniß Hände erst und Füße.
―t.