49 40Zwei Erschlagene
(Liebknecht und Rosa Luxemburg)
Der Garde-Kavallerie-Schützen-Division zu Berlin
60in Liebe und Verehrung
Märtyrer …? Nein.
100Aber Pöbelsbeute.
Sie wagtens. Wie selten ist das heute.
Sie packten zu, und sie setzten sich ein:
5sie wollten nicht nur Theoretiker sein.
Er: ein Wirrkopf von mittleren Maßen,
er suchte das Menschenheil in den Straßen.
Armer Kerl: es liegt nicht da.
Er tat das Seine, wie er es sah.
10Er wollte die Unterdrückten heben,
er wollte für sie ein menschliches Leben.
Sie haben den Idealisten betrogen,
den Meergott verschlangen die eigenen Wogen.
Sie knackten die Kassen, der Aufruhr tollt –
15Armer Kerl, hast du das gewollt?
Sie: der Mann von den zwei beiden.
Ein Leben voll Hatz und Gefängnisleiden.
Hohn und Spott und schwarz-weiße Schikane
und dennoch treu der Fahne, der Fahne!
20Und immer wieder: Haft und Gefängnis
und Spitzeljagd und Landratsbedrängnis.
Und immer wieder: Gefängnis und Haft –
Sie hatte die stärkste Manneskraft.
50Die Parze des Rinnsteins zerschnitt die Fäden.
25Da liegen die beiden am Hotel Eden.
Bestellte Arbeit? Die Bourgeoisie?
So tatkräftig war die gute doch nie …
Wehrlos wurden zwei Menschen erschlagen.
Und es kreischen Geier die Totenklagen:
30Gott sei Dank! Vorbei ist die Not!
„Man schlug“, schreibt einer, „die Galizierin tot.“
Wir atmen auf! Hurra Bourgeoisie!
Jetzt spiele dein Spielchen ohne die!
Nicht ohne! Man kann die Körper zerschneiden.
35Aber das eine bleibt von den beiden:
Wie man sich selber die Treue hält,
wie man gegen eine feindliche Welt
mit reinem Schilde streiten kann,
das vergißt den Beiden kein ehrlicher Mann!
40Wir sind, weiß Gott, keine Spartakiden.
Ehre zwei Kämpfern!
120Sie ruhen in Frieden!