Je schwerer sich ein Erdensohn befreit,
Je mächt'ger rührt er unsre Menschlichkeit.
Der selber ich der Zelle früh entsprang,
Mir graut, wie lang der Luther drinnen rang!
Er trug in seiner Brust den Kampf verhüllt,
Der jetzt der Erde halben Kreis erfüllt.
Er brach in Todesnot den Klosterbann—
Das Große tut, nur wer nicht anders kann!
Er fühlt der Zeiten ungeheuren Bruch
Und fest umklammert er sein Bibelbuch.
In seiner Seele kämpft, was wird und war,
Ein keuchend hart verschlungen Ringerpaar.
Sein Geist ist zweier Zeiten Schlachtgebiet—
Mich wundert's nicht, daß er Dämonen sieht!
XXXIII Die Vorrede
Heut übermochte mich—seit langer Zeit
Zum ersten Mal—ein Sturm von Lustigkeit.
Ich lag im Gras. Da blitzt' mir durch den Sinn,
Wie mit dem Papst ich umgesprungen bin.
Unbändig lacht' ich in der grünen Saat
Und freute mich der frechen Jugendtat.
In einer Widmung und Praefatio
Schrieb ich an unsern heil'gen Vater so:
"Die dir im Amt vorangegangen sind,
Die taugten nichts. Das weiß ein jedes Kind.
Sie fälschten, stahlen, raubten allezeit,
Ein beßrer Mensch ist deine Heiligkeit.
Sie waren Schelme. Meinst du nicht? Verglich'
Ich dich mit ihnen, es betrübte dich!
Du billigst meine Rede, weiß ich schon,
Doch gib es, bitt' ich, schriftlich deinem Sohn!
Verkünd es aller Christenheit und gib
Ein Breve: "'Ulrich Hutten ist mir lieb!'"
Ich muß es mir bekennen dann und wann:
Nicht völlig ungerecht bin ich im Bann.