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Conrad Ferdinand Meyer · Modernismo

XVII Die Mainzerspieße

alemán

Sie machten mir ein Kämmerlein bereit,
Doch mied der Schlaf mich drinnen lange Zeit.
Ich hörte, wie das Pflaster dumpf erklang:
Die Mainzer Scharwach schritt mit schwerem Gang.

Mich heimelt's aus den alten Zeiten an,
Denn oft mit diesem Heer gedieh mir Span,

Wann nächtlich ich, vom Humpen übermocht,
Mit ihnen auf der Gasse klirrend focht.

Versuchte Männer sind's von Schluck und Hand,
Geworben rings in Hoch—und Niederland.

Ich lauscht' im Finstern heiter und mir schien:
Die Spieße sangen etwas vor sich hin.

Ein alter Bierbaß sang gemütlich vor
Und zehen Bässe brummten nach im Chor:

"Das reine Wort sie sollen lassen stan
Und dafür keinen Dank noch Löhnung han.

Gerichtet ist der Fürste dieser Welt,
Uns tut er nichts, wie saur er auch sich stellt—"

Ich, von den Mainzerspießen auferbaut,
Sang mit in meiner dunkeln Kammer laut:

"Drum fürchten wir uns wahrlich nicht zu sehr,
Denn unser Gott ist eine starke Wehr."

XVIII Die Gebärde

's war in der Krone, daß mich einer fand,
Der mich in meinem ersten Flaum gekannt.
Der Ott von Gemmingen. Er drückte sich
Durch das Gelag und rückte neben mich.

"He da!" Utz! Lieber Utz! Was ward aus dir?
Bist du am Hof von Mainz ein großes Tier?

Bist Doctor juris utriusque du?
Des Kaisers Schreiber oder Rat dazu?

Nein? Nun, was bist du denn? Des Hofgerichts?"
Ich aber sagte trocken: Ich bin nichts.

Jetzt mustert' er mein ausgedient Gewand,
Die hohlen Wangen auch, die magre Hand.

"Eins bist du: Siech! Das redet dein Gesicht!"
Ich glaubte mich geheilt und bin es nicht.

Da streckt' den Finger er und zog damit
Sich sauber um die Gurgel einen Schnitt.

Du rätst...? Er nickte. Drob hab' ich gelacht.
Dann hab' ich der Gebärde nachgedacht.

Unleidlich scheint dem frohen Kind der Welt
Dein Dasein, Hutten—drum verbrauch's als Held!

Wovor des kühnsten Mannes Busen zagt,
Das sei von dir in freier Lust gewagt!

XIX Mißverständnis

Der Vater sprach zu mir mit leisem Hohn:
"Verstehst du's, bau mir eine Presse, Sohn!"
(Sie nennen Presse dort im Frankenland,
Was andern Ortes Kelter wird genannt.)

Sprach's und verritt. Ich ohne viel Geschrei
Berief die Meister schwarzer Kunst herbei.

Da ward gesetzt, gedruckt, gepreßt, gedreht,
Viel tausend Blätter flogen rings verweht.

Auf einem ward dem Cajetan gedroht:
"Schlagt, fromme Leute, den Legaten tot!"

Hier stand: "Und würd' ich drüber Lands verjagt,
Ich Hutten breche durch, ich hab's gewagt!"

Und dort: "Die harsche Luft der Freiheit weht,
Ich Hutten sporn' und stachle früh und spät."

Das war ein heißer und ein zorn'ger Wein,
Den ich gepreßt am Steckelbergerrain.

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Autor
Conrad Ferdinand Meyer
Título
XVII Die Mainzerspieße
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-xvii-die-mainzerspiee--conrad-ferdinand-meyer-0598c6
Cita recomendada
Conrad Ferdinand Meyer, «XVII Die Mainzerspieße», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-xvii-die-mainzerspiee--conrad-ferdinand-meyer-0598c6.html

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