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PoetósferaLa BibliotecaConrad Ferdinand Meyer

Conrad Ferdinand Meyer · Modernismo

XLIX Nachtgespräch

alemán

Mit glühnden Spuren ist der Tag entflohn,
Am Himmel blitzen frühe Sterne schon.
Der Alte sitzt auf seiner Lieblingsbank:
Du träumest Pfarrer? Rück ein wenig! Dank.

Was schaust verzückt du auf zum Himmelszelt?
Was siehst du droben?—"Ritter, Welt an Welt!

Erfahrt, daß unter uns, die wir bemüht
Um die Natur sind, ein Geheimnis glüht!

Mir hat's ein fahrnder Schüler anvertraut.
Neigt Euch zu mir! Man sagt's nicht gerne laut.

Ein Chorherr lebt in Thorn, der hat gewacht,
Bis er die Rätsel deutete der Nacht.

Herr Köpernik beweist mit bünd'gem Schluß,
Daß—staunet—unsre Erde wandern muß!

Wißt, um die Fürstin Sonne kreisen wir
Und glaubten dienend uns umkreist von ihr!

Ihr meint, wir sitzen ruhig hier? Erlaubt—
Wir schweben, wie von Adlerkraft geraubt!

Nicht wandern, Ritter, wir allein! Erhebt
Das Haupt! Der ganze Himmel zieht und lebt!

Ein Kreis von Pilgern ist's, der uns umringt,
Von denen jeder sanft den andern zwingt,

Und unser Sternlein ist in dieser Schar
Wohl einer der geringsten Pilger gar.

Wir nahmen Welt und Himmel uns zum Raub,
Wir wähnten uns das All und sind ein Staub.

Doch besser als ein König und allein
Ist Bürger eines großen Reichs zu sein.

Mit höhern Welten bringt uns unser Gang
In einen leuchtenden Zusammenhang!

Ein neues Leben wird uns aufgetan
Auf hellern Stufen nach durchlaufner Bahn.

Ich lieb' Euch, Hutten, und ich möchte gern
Euch wiedersehn auf einem schönern Stern.

Je näher dem Gestirn, das ewig ruht,
Um desto reiner wird die Liebesglut.

Die Leiter ist's, die Jakob einst erblickt.
Ihr lächelt, Ritter? Red' ich ungeschickt?

Ist's zu begehrlich, was mir ahnen will?
Ins Dunkle blicket Ihr und bleibet still..."

—Auf Ufnau, Pfarrer, ist der Abend kühl.
Ruhsame Nacht! Ich suche meinen Pfühl

Und laß Euch mit den Sternen jetzt allein,
Ich möchte morgen wieder wacker sein.

Erst dien' ich aus auf Erden meine Zeit
Und bin ich dannzumal nicht dienstbefreit,

Verteilt man auf den Sternen neues Lehn—
Wohlan! ich denke meinen Mann zu stehn.

L Mythos

"Herr Ritter, habt Ihr, sagt mir's im Vertraun,
Jüngst eines Mönchleins Ohren abgehaun?
Ist's wahr, wo blieb der feine Humanist
Bei der Zyklopentat? Wo blieb der Christ?

Ihr seid ein prächt'ger Hausgeselle zwar,
Doch habt Ihr ein gefährlich Augenpaar:

Im Zwiegespräche leuchtet's heiter mild,
Derweil Ihr sinnt und brütet, droht es wild.

Sagt, tapfrer Ritter, wispert mir ins Ohr,
Ob jenes arme Pfäfflein seins verlor?"

—Pfarrer, Kritik! Bin ich ein Polyphem?
Nie hab' ein Glied gekappt ich irgendwem.

Erwirbt ein Erdensohn sich Lob und Preis,
Gleich bildet sich um ihn ein Sagenkreis.

Dem Pfaffen, merkt, hab' ich das Haar gerupft,
Den fetten Ohrenlappen auch gezupft—

Das, Pfarrer, ist geschichtlich aufgehellt,
Das andre spielt in schwanker Fabelwelt.

LI Der Pfarrer—

Ein müdes Ruder rauscht. Der Pfarrer kehrt
Zurück, mit einem Pflanzenbund bewehrt.
Hier hoch am Etzel wächst ein kräftig Kraut,
Davon er mir ein heilsam Tränklein braut.

Noch weht die Abendluft nicht allzu frisch—
Im Freien rüst' ich beiden uns den Tisch.

Hieher! Dir ist gedeckt! Nimm's nicht genau!
Noch fehlt die Wirtin auf der Ufenau.

Trotz deinem grauen Barte muß du frein!
So reihst du dich der neuen Pfaffheit ein!

Ob diese neue Pfaffenart gedeiht
Und was sie taugt, ist ein Problem der Zeit...

—"Der neuen Pfaffheit wünsch' ich alles Heil,
Mir selbst erkür' ich doch ein ander Teil.

Mich treibt's aus meinem kirchlichen Beruf
Hinaus zu Dem, der mich ernährt und schuf,

Der heute noch gelind auf Erden geht,
Von seinem blauen Mantel weit umweht.

Der Kirche schwere Fragen sind verwirrt,
Und ewiglich verdammt ist, wer sich irrt.

Die laß ich ohne Harm auf sich beruhn
Und halte mich zu meinen Pflanzen nun.

Die Körper heilen sei mein künftig Amt,
Zur Sühne, daß ich Seelen einst verdammt!

Ein großer Arzt, der hier im Land verkehrt,
Hat mich der Kräuter stille Kraft gelehrt.

Von Paracelso habt Ihr, Ritter, schon
Gehört, der Mutter Erde Lieblingssohn,

Dem sie geschäftig Ihre Horte zeigt,
Dem plaudernd kein Geheimnis sie verschweigt?

Unfern von hier am Etzel hält er Haus.
Ich sandte neulich einen Boten aus

Und lud nach Ufenau den Wundermann
Und tröste mich, daß er Euch helfen kann.

Ihr zuckt die Achseln... Seine Kunst ist groß,
Und, Ritter, Ihr seid gar zu glaubenslos!"

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Autor
Conrad Ferdinand Meyer
Título
XLIX Nachtgespräch
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-xlix-nachtgesprach--conrad-ferdinand-meyer-8b62dc
Cita recomendada
Conrad Ferdinand Meyer, «XLIX Nachtgespräch», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-xlix-nachtgesprach--conrad-ferdinand-meyer-8b62dc.html

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