Und, sieh, da wälzte sich das Rad der Zeit,
Wir traten mit der welschen Macht in Streit.
Ich schrie: Ihr Männer, geht mir an die Hand:
Des Papstes Ablaßbude wird berannt!
Erkaufen Gold und Silber Seelenheil,
So steht es bald auf allen Märkten feil.
Die Ware wird von Jung und Alt gesucht
Und nur der arme Schlucker bleibt verflucht.
Die Tasche wende jeder! Ist sie leer,
So trete keck in unser Lager er!
Das rat' ich dir, du heilsbedürft'ger Mann,
Der keinen Ablaßzettel lösen kann!
Wir greifen nach dem Himmel unverwehrt!
Uns wird die Seligkeit umsonst beschert!
Ich sprach ein rauhes Deutsch in Hast und Zorn,
Es dröhnte wie vom Turm das Wächterhorn.
Antwort erscholl wie Sturm und Meergebraus:
"Herr Hutten, fasset an und räumet aus!"
XIV Lügengeister
Der Zaubrer Faust erschien am Hof zu Mainz,
Er liebt der Kardinäle Purpur, scheint's.
Verhangen ward ein Saal und blaß erhellt
Für die Besuche der Gespensterwelt.
Der Kurfürst setzte sich. Ihm stand ich links.
Der bleiche Magier harrte seines Winks.
Natürlich ging die erste Frage da
Nach der erlauchten Bübin Helena.
Er rief der Leda Kind. Es zeigte sich
Ein blanker Fuß und tanzte wunderlich.
Das leere Gaukelspiel, das mich verdroß,
Entzückte den vernarrten Pfaffentroß.
Was schiert die Metze mich? Herr Nekromant,
Seid Ihr mit edlern Toten nicht bekannt?
—"Wen fordert Ihr?" Den Kaiser Constantin!
Er rief. Ein Purpurtragender erschien.
Ich frage Majestät, ob ihr gedenkt,
Daß sie dem Papst die ew'ge Stadt geschenkt?
"Ja", nickte das Gespenst. Wie? Wo? Und wann?
Ein Märchen ist's, das Eigennutz ersann!
Es ist Betrug und das beweis' ich stramm
Mit scharfer Kunst, die nennt man Criticam.
Du bist ein Pfaffengeist! Zur Hölle fort!
Der Lügenkaiser schwand vor meinem Wort.