21Winterlied.
1785.
Das Feld ist weiß, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille:
Hell wie Krystall
5Blinkt überall
Der Fluren Silberhülle.
Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis,
Er flimmert blau und roth und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
10Aus Schnee heraus
Ragt, nackt und kraus,
Des Dorngebüsches Garbe.
22 Von Reifenduft befiedert sind
Die Zweige rings, die sanfte Wind’
15Im Sonnenstrahl bewegen.
Dort stäubt vom Baum
Der Flocken Flaum
Wie leichter Blüthenregen.
Tief sinkt der braune Tannenast
20Und drohet mit des Schnees Last
Den Wandrer zu beschütten;
Vom Frost der Nacht
Gehärtet. kracht
Der Weg von seinen Tritten.
25Das Bächlein schleicht, von Eis geengt:
Voll lauter blauer Zacken hängt
Das Dach; es stockt die Quelle;
Im Sturze harrt,
Zu Glas erstarrt,
30Des Wasserfalles Welle.
Die blaue Meise piepet laut;
Der muntre Sperling pickt vertraut
Die Körner vor der Scheune.
23 Der Zeisig hüpft
35Vergnügt und schlüpft
Durch blätterlose Haine.
Wohlan! auf festgediegner Bahn
Klimm ich den Hügel schnell hinan,
Und blicke froh ins Weite,
40Und preise den,
Der rings so schön
Die Silberflocken streute.