Im siebzehn hundert achtz’ger Jahr
Herr Kaiser Joseph, Zweite,
In Rußland bei Kathrinen war,
Sich Staatsgeschäften weihte.
5Und wie er nun zurückgekehrt,
Umreiset er noch Schwaben,
Um so mit Länderkund vermehrt,
Auch davon Kund zu haben.
In Pfullendorf, da fuhr er ein,
10Man war zu Tisch bereitet,
Da hörte er ein Glöckelein
Und fragt, was das bedeutet?
„Am Freitag eilf die Deutung ist,
Wo Jesus war verschieden,“
15Entgegnet aus der Stadt ein Christ
Und glaubt den Herrn zufrieden.
Allein der Kaiser fragte noch:
„„Ob denn zu diesem Ende
Nicht eine größ’re Glocke doch
20In Pfullendorf sich fände?““
„O ja, wir haben,“ hieß es jetzt,
„Noch größ’re hier zu Lande;
Doch diese wird in Gang gesetzt
Für Bürger von dem Stande.“
25Zum Schultheiß schickt der Kaiser fort
Und lasset ihn nun fragen:
„„Was ’s Bürgerrecht in diesem Ort
Ankäuflich soll betragen.““
Herr Schultheiß war nun gleich zur Hand
30Und spricht: „Wenn wir es dulden,
Das Bürgerrecht in unserm Land,
So kostet’s fünfzig Gulden.
Der Kaiser sendet den Betrag
Mit seinem Hand-Couverte
35Dem Schulz mit dem Bedeuten nach:
„Daß Jesus Bürger werde.“
Seit in der Stadt man Jesu hat
Das Bürgerrecht bereitet,
Wird ihm, wie für die Herrn im Rath
40Die große Glock’ geläutet.
150J. Schuegraf.