Welch ein Los! Im bunten Lebensgarten
Fröhlicher Genossen bin ich einsam.
Hab' mit ihnen Ziel, Geschick und Leiden,
Sprach' und Lied und Vaterland gemeinsam.
Streuen scherzend Rosen unsren Pfaden,
Lieben uns einander — und bin einsam.
Einsam, wenn das Blau der Fern' uns trennet
Mitten unter ihnen bin ich einsam.
Einsam, wie der Schiffbrüchig' im Meere,
Einsam, wie der Aar im Himmelskreise,
Einsam, wie der Mann, den sie begruben
Unter Nordlichtschein im öden Eise.
Brücken schuf Natur von Aug' zu Auge,
Hängend auf des Lichtes goldnen Stäben;
Schiffe auf dem Wellenmeer des Klanges
Zwischen Mund und Ohren heiter schweben.
Und des Blutes ehern ewige Bande
Flechten aneinander unsre Sinne;
Aber von der =Seelen= freier Zinne,
Auseinander fern sich ungemessen,
Hat Natur zu baun den Weg vergessen.
Nicht so einsam ist das Alpenröslein
An des starren Eises kalter Schwelle;
Nicht so einsam ist der Stern am Himmel,
Als in ihrem Leib die sehnende Seele.
Einsam, wenn dem Schönen sie und Reinen,
Mai im Herzen, grüne Kränze webet;
Einsam, wenn sie selige Pfade suchet
Nach dem Gottesreich, und ihnen lebet. —
Als in Tiefen mit Genossen kriechen
Ist es besser, hoch zu schweben einsam.
Größer, göttlicher gewiß — doch glücklich?
=Glücklich= ist der Erdsohn nur gemeinsam.