Wie nah, mein schönes, süßes Kind,
Ist mir dein holdes Angesicht,
Ich trinke deinen Atemhauch
Und deines Auges lächelnd Licht;
Doch was in deiner Stirne sinnt,
Und was in deiner Seele spinnt,
Ich weiß es nicht.
Ich weiß den von Jahrtausenden
Emporgebauten Erdengrund,
Ich kenne das mit Sternenwelten
Reich geschmückte Himmelsrund;
Doch was in deiner Stirne sinnt,
Und was in deiner Seele spinnt,
Ist mir nicht kund.
Entzückt von deiner Zunge Klang,
Und doch in tiefster Einsamkeit,
Mein Lippenpaar an deins gepreßt:
Und dennoch mir unendlich weit
Ist, was in deiner Stirne sinnt,
Und was in deiner Seele spinnt
Für alle Zeit.
Denn das, worauf ich wollte baun,
Hat mich getäuscht, die Träne dein. —
Es müßte denn dein Herzblut, traun,
Der opferfrohe Bote sein,
Daß Lieb' mir deine Seele spinnt
Und Treu mir deine Stirne sinnt,
Dann bin ich dein.