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Carl Arnold Kortum · Romanticismo

Vierunddreißigstes Kapitel

alemán

1. Die Ehegenossin des Schildburgschen Senaters,
Als unsers Herrn Hieronimi würdigen Vaters,
Der ^notorie^ mehr Kinder hatte, war
Eine geborne Mammesell Plappelplar.

2. Ihre Stammtafel ist weniger weitläufig,
Und die Merkwürdigkeiten drin sind nicht so häufig;
Indessen wollen wir doch ordentlich gehn,
Und dieselben in diesem Kapitel durchsehn.

3. Ihre Familie war zwar nicht von Adel,
Aber doch ohne allen Vorwurf und Tadel,
Und unter dem schwäbischen Plebejerstand
Eine der ersten im ganzen Land.

4. Sie war ansehnlich, groß und lang von Leibe,
Und ein Muster von 'nem schönen und guten Weibe,
Und ihr eheleiblicher Vater war
Der Consistorialrath Herr Plappelplar.

5. In seinen Handlungen und Reden war er eifermüthig,
Von Temperament etwas cholerisch und vollblütig,
Er zerklopfte oft im Affect die Kanzelbank,
Denn er war von Person robust und lang.

6. Er war mächtig in Lehr' und reich an Worten,
Stund erst als Pfarrer an verschiedenen Orten,
Ward im vierzigsten Jahre Consistorial,
Und starb im funfzigsten Knall und Fall.

7. (Von seiner Suade im Peroriren
Scheint es als Erbtheil herzurühren,
Daß die ehmalige Mamsell Plappelplar,
Nachherige Frau Jobs, so wortreich war;

8. Auch daß sie an dem geistlichen Stande
Ein so außerordentliches Vergnügen fande,
Und den Hieronimus, den sie gebar,
Schon früh bestimmte zum Dienst der Pfarr'.)

9. Er hinterließ nicht blos Kindertücher
Oder eine Sammlung alter Schriften und Bücher,
Sondern auch viel Gut immobil und movent,
Denn er war ziemlich reich und potent.

10. Von seinen sonstigen Lebensumständen
Habe ich nicht viel Nachricht in Händen,
Doch merke ich noch von ihm an, daß
Er gerne gebratne Truthähne aß.

11. Daher entstand vermuthlich die Sitte und Regel,
Daß man die Truthähne Consistorialvögel
Seitdem im schwäbischen Lande heißt,
Und sie gern bei Pfarrschmäusen speist.

12. Doch dem sei übrigens wie ihm seie,
Er verwaltete sein Amt mit aller Treue,
Und sein eheleiblicher Vater war
Fürstlicher Amtmann und Justitiar.

13. Der war in seinen Aemtern und Pflichten strenge,
Machte weder große Umstände noch Gepränge,
Wenn einer nicht gleich seinem Mandat
Oder der Citation pariren that.

14. Er stund wegen seinem ernsthaften Amtsgesichte
Rund herum in sehr gutem Gerüchte,
Und sein eheleiblicher Vater war
Fürstlicher geheimer Consiliar.

15. Man muß aber eben nicht meinen oder träumen,
Es hätte der Fürst wegen 's Prädicat 'nes Geheimen
Rathes nichts ohne ihn gethon;
Er kannte nicht einmal seine Person.

16. Er starb als ein treuer Diener des Staates,
Ohngeachtet des Titels eines geheimen Rathes,
Und sein eheleiblicher Vater war
Bei 'ner verwittweten Fürstin Leibhusar.

17. Dieser stand bei Hofe sehr hoch in Gnaden,
War ein hübscher Husar von Bart und Waden,
Und sein eheleiblicher Vater war
In Schildburg der zweite Consular.

18. Im Stadtarchiv findet man oft seinen Namen;
Er sagte zu allen Rathsdecreten: Amen!
Und sein eheleiblicher Vater war
Seligen Andenkens Landcommissar.

19. Jedoch zur Zeit seines Commissariats stand es
Eben nicht zum besten um die Wohlfahrt des Landes,
Und sein eheleiblicher Vater war
Commerzienrath titular.

20. Der legte sein ganzes väterliches Erbe
An Fabriken und weitläufiges Gewerbe,
Brachte es aber durch Ehrlichkeit
Anfangs bei aller Mühe nicht weit.

21. Er rettete sich jedoch noch bei zeiten,
Wie es Sitte ist bei viel Handelsleuten,
Denn ein starker honneter Bankrott
Half ihm aus aller seiner Noth.

22. Man saget aber, seine Creditoren
Hätten dabei mehr als er verloren,
Und sein eheleiblicher Vater war
Adliger Verwalter und Secretar.

23. Der konnte succesive etwas Vermögen
Extra ^per fas et nefas^ zurücke legen,
Und sein eheleiblicher Vater war
Der sieben freien Künste Baccalar.

24. Dieser mußte sich sehr kümmerlich ernähren,
Hatte blutwenig oder nichts zu verzehren,
Und sein eheleiblicher Vater war
Ein kaiserlicher gekrönter Poete gar.

25. Zwar erfahren in allen Dichterkünsten,
Hungerte er doch bei seinen Verdiensten,
Und wohnte mit Frau und Kinderlein
In einem kleinen Dachstübelein.

26. Seinem leiblichen Vater ging es noch trister,
Er war der Weltweisheit Magister,
Wovon er sich höchst erbärmlich ernahr;
Wer aber des Magisters Vater war,

27. Davon schweigen die vorhandnen Nachrichten;
Ich kann also davon weiter nichts berichten,
Als daß er auch ein Herr Plappelplar
Und vermuthlich ein redlicher Mann war.

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Autor
Carl Arnold Kortum
Título
Vierunddreißigstes Kapitel
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-vierunddreiigstes-kapitel--carl-arnold-kortum-a3e168
Cita recomendada
Carl Arnold Kortum, «Vierunddreißigstes Kapitel», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-vierunddreiigstes-kapitel--carl-arnold-kortum-a3e168.html

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