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Rudolf Lavant · Modernismo

Verlassen (Lavant)

alemán

2 Verlassen.

So komm doch, Bärbel, laß hinein uns gehn!
Und willst du heim, so geb‘ ich dir’s Geleite.
Ich kann dich nicht so starr und düster sehn . . .
Hörst du mich auch? Du blickst so fremd ins Weite!
5Du warst doch sonst geschnitzt aus festem Holz
Und widerwärtig war dir alles Klagen —
Kannst du den Kopf nicht mehr so hoch und stolz,
Der ganzen Welt zum Trotz, wie früher tragen?

Ach Vroni, red‘ nicht so verzweifelt klug!
10Mir ist zum Sterben weh — ich kann’s nicht zwingen;
Es ist ja wahr, daß hoch den Kopf ich trug —
Nun will das Herz vor Jammer mir zerspringen.
Daß uns die Lieb‘ so gründlich elend macht,
Daß sie den Stolz wie Rohr zerknickt, für immer —
15Das hätt‘ ich freilich selber nicht gedacht . . .
Nun weiß ich’s Vroni, und verwind‘ es nimmer!

Ach, Bärbel, Bärbel — ich versteh dich nicht.
Ist’s mit dem Sepp vorbei — was ist’s denn weiter?
Lach' ihm und seiner Kathi ins Gesicht,
20Dem dummen Ding, und sei nun doppelt heiter!
Meist, daß nicht Jeder fliegt auf deinen Wink,
Daß sich nicht alle Bursche um dich reißen?
Komm, Bärbel, komm! sei wieder frisch und flink!
Und bist du traurig, such’s halt zu verbeißen!

25Nein, Vroni, nein! ein arm’s, verzagtes Ding
Bin ich von dieser Stunde an fürs Leben;
Als mit der Kathi er vorüber ging,
Hat einen Stich es mir ins Herz gegeben.
Die Kathi sah mir spöttisch ins Gesicht?
30Ich soll nur sehn, wie Alle mich betrachten?
Was kümmert’s mich? ihr Mitleid brauch‘ ich nicht
Und ihre Neugier kann ich nur verachten.

Geh, Bärbel, geh! Das kann dein Ernst nicht sein!
Du bist im Traum — du mußt daraus erwachen.
35Mag immerhin der Sepp die Kathi frei’n,
Wenn sie nur nicht auf deine Kosten lachen!
Schau, Bärbel, dazu bist du mir zu gut;
Du sollst dich nicht vor allen Leuten grämen,
Sonst lacht der Sepp, der . . . .Geck, voll Uebermuth,
40Statt sich die Augen aus dem Kopf zu schämen.

Was gilt das mir? Meinst, daß mich das noch rührt?
Ich bin zu elend, um daran zu denken,
Und selbst die Straf‘, die ja dem Sepp gebührt,
Als einem Schelmen, will ich gern ihm schenken.
45Ich weiß nur Eins: daß keinen Trost es giebt
Für dieses Weh, das bitterste der Erde;
Ich weiß nur Eins: daß ich umsonst geliebt
Und nie und nimmer wieder lieben werde!
R.L.

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Autor
Rudolf Lavant
Título
Verlassen (Lavant)
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-verlassen-lavant--rudolf-lavant-c0e7cc
Cita recomendada
Rudolf Lavant, «Verlassen (Lavant)», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-verlassen-lavant--rudolf-lavant-c0e7cc.html

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