Vergib mir, o Süden!
Ich kann dich nicht lieben,
Ich muß dich meiden,
Meine Wünsche, meine Freuden
Stehn auf dunklem Grund geschrieben.
Meine blassen Taten
Leuchten nur in nordischem Schatten.
In Sturmessausen
Und Wälderbrausen,
In Schnee und Eiseskern,
In düsteren Nebeln
Glänzt mein Stern.
Du, o Süden,
Mit deines Lichtes Grelle,
Versengst mir die Seele.
Deine kahlen Berge und Schluchten,
Deine schattenlosen Buchten,
Deine heißen Terrassen
Und staubigen Straßen,
Deine gekochten Lüfte,
Deine einschläfernden Düfte
Und übelriechenden Dünste,
Deiner schmutzigen Gassen
Lautes Sichgehenlassen,
Deiner Wirte Kniffe und Künste,
All das zusammen
Macht mich erlahmen.
Wie soll im weltfremden Wesen
Der Sohn des stillen Waldes genesen?
Dazu des Meeres unendliche Weite,
Die Länder der Erde all bespülend,
Die Sehnsucht weckend und nicht erfüllend.
So muß man am fremden Eiland kleben
Wie ein Verbannter, und tatlos leben.
O sonniger Süden
Mit deinen Rosen, mit deinen Maien!
Weltumworbenes Paradies,
Ich will dich benedeien;
Wärst du meiner Kindheit
Trautsame Heimat,
Wie wollt' ich in Treuen
Selig mich freuen.
Doch ich bin Germane,
Die sonnige Glut,
Der süße, südliche Seim
Zersetzt mir das Blut.
=Meines= Glückes Kern und Keim
Ist deutscher Wald,
Und mein Paradies heißt =Nebelheim=.