Als du, gewaltiger Schatten, noch des Körpers waltetest,
der siebzigjährig beim Geburtstagsfestbankett
uns jungen Männern unerschütterlich Bescheid tat,
warf ich auf dich vom trotzig hochgeschwungenen Becherrand
den trunknen Spruch:
Skaal, Ibsen, Skaal,
du Feind der Halbheit, Meister des Doppelsinns!
ich schleudre dir ein Wort zu, das dich ganz beleuchtet:
Skaal, du vom heiligen Geist Beschatteter! —
Nun sitzen wir beim Todesfestbankett,
trotzig auch heut, doch nicht von flüchtiger Trunkenheit,
Jeder im Rücken seinen eigenen Schatten fühlend,
ein Kranz von Schatten um den leeren Platz, Gewaltiger,
der du im Lichtkreis über unsrer Tafel geisterhaft,
noch unerschütterlicher als dein Körper einst,
lastest.
Warum entschwebst du nicht? willst du uns prüfen?
O! mit noch höher geschwungenem Becherrand
will ich dir dann Bescheid tun, schweigsamer Gast.
Sieh, wie mein Schatten auffährt! und rings um mich
an allen Wänden, allen Ecken des Saals empor
heben sich Schatten-Arme, mitschwingende, heben
Dich, Dich, du Unerschütterlicher, auch empor
durchs düstre Flackerlicht des Trauerraums,
durchs rauchgeschwärzte Schnitzwerk, Decke und Dach,
empor durchs Sternenbildergewölb der Frühlingsnacht,
bis dahin, wo kein irdisches Zwielicht mehr uns täuscht —
nun schwebst du hoch genug für unsre Andacht.
Da sehn wir dich im Strahlenschooß der Allmacht ruhn:
tiefschwarz von Lichtquell zu Lichtquell dich dehnend
schwebst du im Spiegel unsrer begeisterten Augen,
schwebst, lebst, und waltest.
Und so — mit unsern begeisterten Augen — siehst du,
wie Männer kommen: einsam, einzelne nur,
doch von Jahrhundert zu Jahrhundert kühnere,
wortkarg wie Du, sinnstark wie Du:
die kämpfen ihre Zweifel vor dir aus.
Und Frauen siehst du kommen: mehr und mehr,
und von Jahrtausend zu Jahrtausend stolzere,
wortscheu wie Du, werktreu wie Du:
die richten ihren Glauben an dir auf.
Dann wird wohl Eine — o! ich seh ihr Gesicht,
braun ist’s von Sonne, so hart wie Erz kann’s scheinen
und kann wie Honigwabenhaut so zart sein —
wird dir in einer heilig strahlenden Nacht wie heut
einst zulächeln:
Dank, Ibsen, Dank,
du Freund des Gradsinns, Seher des Widersinns!
ich bring dir einen Blick dar, der dich voll beglänzt:
Dank, du vom ewigen Licht bestärkter,
gewaltiger, unerschütterlicher Schattengeist! —