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PoetósferaLa BibliotecaJoseph Victor von Scheffel

Joseph Victor von Scheffel · Modernismo

Trifels (Scheffel)

alemán

87Trifels.

Ouch solt ihr vil wol wizzen daz:
Dazwischent Strasburc als ich las
Un Spire lit drilic berc
als uns seit der wahrheit werc:
davon er Drivels ist genant
in allen landen wol bekant.
Rudolf von Ems Weltchronik.

Noch schwellt kein Grün der Buchen Kronen,
Doch singt die Drossel schon vom Ast,
Und mit dem Weiß der Anemonen
Mischt sich der Primel gelber Glast;
5Annweilers Berge seh’ ich wieder
Und ihre Burgdreifaltigkeit,
In Ehren alt, vernarbt und bieder,
Kriegszeugen deutscher Kaiserzeit.

Dort Scharfenburg, die schlanke, feine,
10Vor ihr der Felsklotz Anebos,
Und hier als dritter im Vereine
Der Reichspfalz Trifels Steinkoloß.
Ihr Turm mit der Kapelle Erker,
Der einst die Reichskleinodien barg,
15Des Löwenherzen Richard Kerker
Wächst mächtig aus des Felsens Mark.

Tanzplatz ist noch der Kamm geheißen,
Wo einst in zierem Pfauentritt
Bei Harfenschall und Minneweisen
20Des Kaiserhofes Reigen schritt.
Ahi! wie sah man Tücher winken,
Als hier am zwölften Maientag1
Bei vieler tausend Helme Blinken
Der sechste Heinrich Abschieds pflag!

25Im ernsten Auge sprüht’ ein Feuer,
Als klirre schon der Speere Krach:
„Konstanze, Weib dem Herzen teuer,
Bald rächen wir Salernos Schmach;
88Eh sich die Wälder herbstlich färben,
30Die heute diese Fahnen sehn,
Soll siegreich uns und unsern Erben
Das Reichspanier am Ätna wehn!“

Als ihres Kaisers Heergeleite
Ritt eine stolze Fürstenschaft
35Und seinem Bruder treu zur Seite
Philipp von Schwabens junge Kraft.
Noch zog des Rotbarts blondem Kinde
Kein Frühlingsahnen durch den Sinn,
Daß er die Braut Irene finde
40Als dieser Maifahrt Beut’gewinn.

Gleich einer ehernen Schlange wanden
Die Helme sich den Wald hindurch,
Und alle Heerdrommeter sandten
Als Abschiedsgruß das Lied zur Burg:
45„Ihr frische Rosen, sanfte Lilien,
Lebt wohl und blüht in Gottes Hut;
Des Adlers Flug geht nach Sizilien,
Ihn dürstet nach Normannenblut!“

Wer weiß noch von den Rittern allen
50Aus Schwaben, Franken und vom Rhein,
Die damals fest als Reichsvasallen
Schwert trugen in der Streiter Reihn:
Vom Truchseß Markward von Annweiler,
Trushard vom Kestenberger Schloß,
55Vom treuen Heinz von Meistersele,
Vom Eberhard von Anebos? ...

... Ob ferner Wasgauhügelreihe
Sprüht goldner Sonnenuntergang,
Und still schwebt Frühlingsabendweihe
60Des Reichs verlaßnen Berg entlang.
Dann, mit des letzten Golds Verglimmen
Füllt rings die Täler feuchtes Grau,
Und auch der Seele Saiten stimmen
Sich äolsharfenweich und lau.

6589O Jugendkraft, wie wirst du älter!
Bald tritt auch mir die Stunde nah,
Da ich nicht mehr durch deutsche Wälder
Auszieh’ ins Land Italia.
Bald bleicht des Wandrers müd Gebeine
70Vergessen in der Erde Schoß,
Und wie des Trifels mürbe Steine,
So deckt auch seinen Grabstein Moos.

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Autor
Joseph Victor von Scheffel
Título
Trifels (Scheffel)
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-trifels-scheffel--joseph-victor-von-scheffel-34ae15
Cita recomendada
Joseph Victor von Scheffel, «Trifels (Scheffel)», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-trifels-scheffel--joseph-victor-von-scheffel-34ae15.html

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