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PoetósferaLa BibliotecaIgnaz Franz Castelli

Ignaz Franz Castelli · Romanticismo

Sanct Martin

alemán

52 Sanct Martin.
(Legende.)

Sankt Martin mit viel Rittersleut’
Wohl über’s Feld zum Jagen reit’t,
Und als sie kamen an einen Hag,
Ein nackter Mann an der Straße lag,
5Dem klapperten vor Frost die Zähne,
Und an der Wimper fror ihm die Thräne;
Er rang die Hände und bat mit Beben,
Sie möchten ihm ein Almosen geben,
Und alle die Ritter die zogen fürbas,
10Den nackten Armen gab Keiner was.

Sie wendeten von ihm das Angesicht,
Die Jammergestalt zu schauen nicht;
Der Martin aber sein Roß hielt an:
„Von mir, du Armer, sollst was ha’n!“
15Er nimmt sein Schwert und alsogleich
Haut er seinen Mantel — gesticket reich
Mit Gold und Silber — entzwei in Eil
Und gibt dem Nackten den einen Theil,
53 Die and’re Hälft’ er selber behalt’t,
20Und reitet den Andern nach in den Wald.

Und wie den Martinus erblickte die Rott’,
Überhäuften sie ihn mit Hohn und Spott:
„Da seht nur einmal den Narren an,
Er theilt sein Kleid mit dem Bettelmann;
25Der halbe Mantel steht ihm gar schön,
Er kann damit zum Pankette gehn,
Damit ihn künftig mag Jeder erkennen,
So woll’n wir den halben Ritter ihn nennen.“
Sie lachten und witzelten noch gar viel,
30Martinus war all ihres Spottes Ziel.

Doch wie der Abend zu dämmern beginnt,
So wehet ein kalter, schneidender Wind,
Die Ritter hüllten sich alle fein
In ihre großen Mäntel ein,
35Und wollten reiten sogleich von hinnen,
Doch konnten sie keinen Ausweg gewinnen,
Nur immer tiefer kamen s’ in Wald,
Und pfiff der Wind noch einmal so kalt;
Sie jammerten sehr und vermeinten schier
40Sie müßten vor Kälte heut sterben hier.
Martinus nur mit dem halben Kleid
Empfindet’s nicht, daß der Wind so schneid’t,
Er lächelt über ihr Schnappern und Bangen
Und sitzt auf dem Roß mit glühenden Wangen.

4554 Und jetzo ein rosenfarbiges Licht
Hervor aus der dunkelen Wildniß bricht,
Und unter die Starrenden tritt heran
Herr Christ, mit dem halben Kleid angethan,
Das jenem Armen Martinus gegeben,
50Und um ihn herum seine Engelein schweben.
Und Jesus sich zu Martino wendet:
„Ja wahrlich, was ihr den Armen spendet,
Das habet ihr mir selber gegeben,
Und Früchte tragt’s euch im Tod und im Leben;
55Jedwede Wohlthat, noch so klein,
Wird euch erwärmen und lohnend seyn.“

Sie fielen all auf ihr Angesicht
Und Jesus verschwand — doch des Glaubens Licht
Es leuchtete über dem heidnischen Haufen;
60Sie ließen sich alle zu Christen taufen.

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Autor
Ignaz Franz Castelli
Título
Sanct Martin
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-sanct-martin--ignaz-franz-castelli-059699
Cita recomendada
Ignaz Franz Castelli, «Sanct Martin», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-sanct-martin--ignaz-franz-castelli-059699.html

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