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Otto Ernst · Vanguardias / s. XX

Nacht und Morgen

alemán

Ich lag auf meinem Bette
In später Nacht noch wach.
Noch immer schritt der Schatten,
Der grause, durchs Gemach,

Der mich die Nacht gemartert
Mit ewigem Auf und Ab,
Ein ruheloser Schemen,
Den ausgespien das Grab.

Mit aufgerissnen Lidern
Hab’ ich gespäht, gewacht —
O grauer Wandrer Sorge,
Wann endet diese Nacht!

Wenn mich mit zartem Schleier
Der Traum bedecken will,
Stehst plötzlich du am Fuße
Des Lagers drohend still,

Bohrst mir ins Hirn die stieren,
Die grauen Augen dann —
Und gleichen Schritts von neuem
Hebst du zu wandern an.

Erbarmungsloses Pendel,
Dein Schlag ist Ewigkeit!
Gärt’s nicht im kranken Herzen
Wie tiefgeheimer Neid,

Wenn draußen durch die Bäume
Ein Traumgeflüster weht
Und rings der leise Atem
Der längst Entschlafnen geht? —

Doch sieh, was wächst aus Dämmrung
Der Frühe dort hervor?
Mein Kindlein richtet langsam
Im Bette sich empor

Und blickt mit großen Augen
Ins erste Morgenlicht,
Und frohes Staunen leuchtet
Im lieblichen Gesicht —

Noch immer blickt durchs Fenster
Sein Auge selig fern,
Und leis von seinen Lippen
Fällt’s wie im Traum: „Ein Stern!“

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Dónde vive
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Autor
Otto Ernst
Título
Nacht und Morgen
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-nacht-und-morgen--otto-ernst-68c7c3
Cita recomendada
Otto Ernst, «Nacht und Morgen», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-nacht-und-morgen--otto-ernst-68c7c3.html

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