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Gustav Falke · Modernismo

Mondlicht

alemán

Das blasse Licht des vollen Mondes geistert
Durchs schlechtverhängte Fenster uns ins Zimmer.
Du schläfst. Die Kinder auch. Mir aber meistert
Der Magier der Nacht den Schlaf wie immer,
Und wachen Ohrs, das alles hört, ausfragt
Und deutet, lieg ich. Unsre Ältste leiht
Verworrnem Traum, der sie durch Schrecken trägt,
Angstvollen Laut, richtet sich auf und schreit
Entsetzt einmal den Namen ihrer Schwester.
Ich ruf sie an: Schlaf! Still! dir träumt! Gleich weicht
Der böse Alp von ihr. — O diese Nester
Von Nachtgespenstern, die der Mond beschleicht
Und aufstört, Nester, eingebaut
In unsrer Seelen abgelegene Ecken
Und Winkel, die uns zu betreten graut.
Wie still, unschuldig, ruht auf unsern Decken
Das Licht des Monds und ist doch voller Tücken.
Es ruht! Nein, wandelt. Dieses breite Band
Milchigen Lichtes seh ich weiterrücken,
Langsam. So tastet leise eine Hand,
Die Arges vorhat und behutsam gleitet,
Nach ihrem Raub. Nun schiebt das kalte Licht
Sich mählich auf dein Bett hinüber, breitet
Sich über deine Kissen. Dein Gesicht,
Fühlt es das Licht? Du rückst, weichst, kriegst
Ganz weg vor diesem Licht. Könnt deinen Traum
Ich jetzt belauschen. Mit der Stirne liegst
Du eingewühlt in deines Kissens Flaum,
Wie weggeduckt vor diesem bösen Licht,
Das jetzt auf deinem schwarzen Scheitel lastet,
Schwer lastet. Du, wie leblos, rührst dich nicht.
So sitzt, vom Blick der Schlange schon betastet,
Der Vogel wie erstarrt, noch eh der Schlund
Des giftigen Wurms ihn wegschluckt. Langsam lässt
Das Licht von dir. Und aus dem dunklen Grund
Des Grauens tauchst du auf. Noch geht gepresst
Dein Atem, stockend. Doch du wendest wieder
Die Stirn nach oben. Dein Gesicht ist blass,
Und einmal zucken deine feinen Lider,
Als würdest du nun wach. Du murmelst was.
Ich ruf. Ein Seufzer nur. „Annie!“ Kein Laut.
— Mich fröstelt. Wenn nur erst der Morgen graut.

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Autor
Gustav Falke
Título
Mondlicht
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-mondlicht--gustav-falke-9c13a8
Cita recomendada
Gustav Falke, «Mondlicht», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-mondlicht--gustav-falke-9c13a8.html

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