Vor zwei Jahren, zu Sankt Marten,
Habe ich in Nachbars Garten
Einen schweren Fluch gesäet.
Rachedürstend wollt' ich warten,
Bis er in die Halme geht
Und im sonnenfrohen Lenze
Den verhaßten Hof umkränze
Strüppedicht mit Dornenranken.
Sieh, und als am Maienbronnen
Alle Lebewesen tranken,
Haben Blüten sich gesponnen
Um das Haus des Nachbars Jocken,
Der mir tat die Braut entlocken.
Linde weiße, rote Blüten,
An der Stirn des Hauses glühten;
Rankten hold sich um die Dächer,
Stiegen leis in die Gemächer,
Alles zart in Blumen hüllend
Und mit süßem Hauch erfüllend —
Graunerregend wonnesam! —
Als die Zeit der Reife kam,
Welch ein seltsam Früchteprangen!
An den grünberankten Zweigen,
Die sich um die Fenster neigen,
Schwere goldne Äpfel hangen ...
Doch, was seh' ich auf der Erden
Schlangenähnlich sich gebärden!
Unheildeutend grause Zeichen!
Wüste Dorngestrüppe schleichen
Meinem, =meinem= Hause zu! —
Sachte wird es eingewoben
Von dem Erdgeschoß bis oben,
Wo der Fahne stolzer Prang
Glück verkündet jahrelang.
Wüst umstrickt das Haus zum Hohne
Mit der kahlen Dornenkrone. —
Als sich so das Los gewendet,
Klopft es leise an der Tür,
Kommt der Nachbar Jock und spendet
Tröstend eine Rose mir.
Eine jener süßen, großen
Rosen, die dem Fluch entsprossen.
— Ach, wie mir der Rose Gluten
Meine arme Seele sengten!
Und wie mir die milden, guten
Worte weh das Herz bedrängten! —
Was dir, Mensch, auch mag begegnen,
Nimmer sollst du Rache suchen.
Bist ein Stümper doch im Segnen
Und ein größerer noch im Fluchen.