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PoetósferaLa BibliotecaConrad Ferdinand Meyer

Conrad Ferdinand Meyer · Modernismo

Menschen

alemán

XLII Die Bilderstürmer

Ich sprach: So, Hutten, kann's nicht länger gehn,
Heut mußt du wieder einmal Menschen sehn!
Und sprang ins Boot und bahnte mir den Pfad
Mit Ruderschlag ans rechte Seegestad.

Ein stattlich Dorf erzielt' ich mit dem Boot—
Da regte sich's, als wäre Feuersnot.

Wo sich der Dorfbach in den See ergoß,
Lärmt' eine Männerschar, ein Kindertroß.

Aus ihrem Kirchlein schleppten mit Geschrei
Die Bilder ihrer Heil'gen sie herbei

Und warfen in die Flut den ganzen Hort
Mit manchem schnöden Witz und frechen Wort.

Der Strudel führte weg den alten Graus
Und wusch der Märtrer blut'ge Wunden aus.

Wachsherz, Votivgeschenk, Reliquienschrein
Flog alles lustig in den Bach hinein—

Da werd' ich eines Steingebilds gewahr,
Mit schwiel'gen Händen hob's ein Männerpaar

Und ich erschrak. Es war ein zart Gebild:
Die Magd Maria lächelte so mild

Und sah das grobe Volk so rührend an,
Als spräche sie: Was hab' ich euch getan!

Wie kam das Werk in dieses Kirchleins Raum?
In Nürnberg selber sah ich Beßres kaum.

Man fühlte, daß ein Meister spät und früh
Daran gewendet lauter Lieb und Müh.

Zerstören, was ein gläubig Herze schuf,
Gehorsam einem leisen Engelruf,

Vernichten eine fromme Schöpferlust,
Ein Frevel ist's! Ich fühlt's in tiefer Brust...

Gebiet' ich Halt? Ich? Ulrich Hutten? Nein...
Ihr Männer, stürzt das Götzenbild hinein!

Ich trat hervor und rief's mit strengem Mund.
Sie warfen. Etwas Edles ging zu Grund.

XLIII Der Trunk

Blaufarbne Krüge brachten her sie dann,
Sie schenkten ein und das Gelag begann.
—"Dem fremden Herrn ein Glas! Tut uns Bescheid,
Wenn Ihr nicht einer von den Stolzen seid!

Stoßt an, Herr Ritter!... Ihr verzieht den Mund?
Trinkt! Unser Wein ist süffig und gesund!

Potz Hagel! Ist Euch unser Wein zu schlecht?
Seid Ihr ein Päpstler oder Fürstenknecht?

Schmeckt's?"—Köstlich.—"Noch ein Glas, und eines noch!
Der deutsche Herr auf Ufnau lebe hoch!"

Ich trank und würgt'—es war ein saurer Schluck—
Und schied mit einem biedern Händedruck.

Ich machte mich davon mit guter Art
Und lachte still ergötzt in meinen Bart:

Der ich dem Kaiser und dem Papst gedreut,
Dem Volke zu Gefallen log ich heut.

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Autor
Conrad Ferdinand Meyer
Título
Menschen
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-menschen--conrad-ferdinand-meyer-483cc8
Cita recomendada
Conrad Ferdinand Meyer, «Menschen», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-menschen--conrad-ferdinand-meyer-483cc8.html

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