Martinique.
Wenn Luft sich machen unterird’sche Gluthen
Und rings der Donner ihres Zornes schreckt,
Wenn Aschenregen und der Lava Fluthen
Die blühenden Gelände überdeckt,
5Wenn der Vulkan in seinem blinden Rasen
Ins Thal den Hagel heißer Trümmer schickt,
Wenn tückisch er mit seinen gift’gen Gasen
Zu Tausenden die Flüchtenden erstickt ―
Dann faßt die Menschheit ein gewalt’ger Schauer
10Und manche Wange wird vor Mitleid blaß;
Auf allen Herzen lastet schwere Trauer
Und weicher Menschen Augen werden naß;
Und überall wird tief und schwer empfunden
Als ein vernichtender, gewalt’ger Schlag
15Das düstre Unheil, dem in schwarzen Stunden
Die schöne Insel fern im Meer erlag.
Und doch ist das, was in gespenst’ger Schnelle
Die Tausende versenkt in bittern Tod,
Nur eine einz’ge, eine kleine Welle
20In einem Meer des Grames und der Noth,
Und die um Mitleid für die Insel werben,
Die jäh zum Friedhof das Geschick gemacht,
Sie lassen kühl und ungerührt verderben
Millionen Brüder in des Elends Nacht.
25Das Elend wimmelt in den engen Gassen,
Verkommen, hungrig, rußig und verstaubt,
Doch hat den Reichen dieses Loos der Massen
Nur eine Stunde je des Schlafs geraubt? ―
So sammelt denn mit christlichem Erbarmen,
30Mit frommen Worten und umflortem Blick
An allen Ecken gründlich für die Armen,
Die heute übrig noch auf ― Martinique.
R.L.