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Rainer Maria Rilke · Vanguardias / s. XX

Mariä Verkündigung

alemán

Nicht daß ein Engel eintrat (das erkenn),
erschreckte sie. So wenig andre, wenn
ein Sonnenstrahl oder der Mond bei Nacht
in ihrem Zimmer sich zu schaffen macht,
auffahren —, pflegte sie an der Gestalt,
in der ein Engel ging, sich zu entrüsten;
sie ahnte kaum, daß dieser Aufenthalt
mühsam für Engel ist. (O wenn wir wüßten,
wie rein sie war. Hat eine Hirschkuh nicht,
die, liegend, einmal sie im Wald eräugte,
sich so in sie versehn, daß sich in ihr,
ganz ohne Paarigen, das Einhorn zeugte,
das Tier aus Licht, das reine Tier —.)
Nicht, daß er eintrat, aber daß er dicht,
der Engel, eines Jünglings Angesicht
so zu ihr neigte, daß sein Blick und der,
mit dem sie aufsah, so zusammenschlugen,
als wäre draußen plötzlich alles leer
und, was Millionen schauten, trieben, trugen,
hineingedrängt in sie: nur sie und er;
Schaun und Geschautes, Aug und Augenweide
sonst nirgends als an dieser Stelle —: sieh,
dieses erschreckt. Und sie erschraken beide.

Dann sang der Engel seine Melodie.

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Autor
Rainer Maria Rilke (1875–1926) · Wikidata Q76483
Título
Mariä Verkündigung
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-maria-verkundigung--rainer-maria-rilke-0a4bae
Cita recomendada
Rainer Maria Rilke, «Mariä Verkündigung», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-maria-verkundigung--rainer-maria-rilke-0a4bae.html

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