Lebwohl!
Es kam zu mir in linden Frühlingstagen
Der liebe Traum, den treulich ich gehegt;
Jetzt, wo der Sturm die weiße Fläche fegt,
Muß ich für immer traurig ihm entsagen.
5Er narrte lange mich und ist zerronnen,
Als ich nach ihm gegriffen mit der Hand,
Und mit dem schönen, leeren Trugbild schwand
Was heimlich ich gedichtet und gesonnen.
Vorbei! Ich sollte zürnen wohl und fluchen,
10Dem trügerischen, wesenlosen Bild,
Doch immer wieder ward ich weich und mild
Und immer blieb's bei zaudernden Versuchen.
Mir ist, als stünd' ich ernst an einem Grabe,
Im Auge Thränen, weh das Herz und wund,
15Und ein „Leb' wohl, leb' wohl!“ von bleichem Mund
Ist alles, was für meinen Traum ich habe.
Er war so schön – ihm muß ich wohl verzeihen.
Ob auch für dich es ein Verzeihen gibt?
Was spricht für dich? Daß es dem Traum beliebt,
20Dir launisch Würde, Werth und Reiz zu leihen?
Du warst kein Stern, nur eines Irrlichts Flimmer,
Und von gemachten Blumen war dein Kranz;
Was mich gelockt, war ein geborgter Glanz,
Der bloße Widerschein von fremdem Schimmer.
25Vorbei! Ich sollte zürnen dir und grollen,
Doch immer wieder ward mein Auge naß,
Sah ich im Geiste traurig dich und blaß,
Und immer blieb's bei halbem, lauem Wollen.
Mit fester Hand greif' ich zum Wanderstabe;
30Du bist mein Schicksal und du treibst mich fort,
Doch ein „Leb' wohl!“, ein mildes Abschiedswort,
Ist alles, alles, was ich für dich habe.
R. Lavant.