98 Jean Paul.
Jean Paul Friedrich Richter, der Wunsiedler,
Sollte heißen Wundersiedler,
Nach des Geistes Wunderland;
Der uns Himmels-Siedlerhütten
5In das Leben so recht mitten
Siedelt in den Quark und Sand.
Sonn-, Mondschein- und Kreuzer-Irrlichts-Flammen
Wundersiedert er zusammen,
Und steckt uns Laternen an,
10Daß wir auf der Jakobsleiter
Aus dem Land’ der Bärenhäuter
Ducken, gucken himmelan.
Liebesbriefe zwischen Mensch’ und Göttern,
Zwischen Erd’ und Himmels-Vettern
15Schickt er mit der Hundespost,
Und nimmt, wie die Sternengucker,
So jedweden armen Schlucker,
Alle Narr’n in Himmelskost.
99 Stolz macht er uns auf der Menschheit Ahnen,
20Auf die göttlichen Titanen,
Und belaubt das Menschenhaupt;
Aber zeigt uns auch den Flegel
Und den kleinen Erdenkegel,
Den der Kugel Bahn umstaubt.
25Er bewirthet freundlich seine Gäste
In dem armen Lerchenneste,
Setzet ihnen Nektar vor.
Aber auch als Katzenberger,
Ganz gelassen, sonder Ärger,
30Schlägt er derb dich hinter’s Ohr.
Blumen-, Frucht- und Dornenstücke wechselnd,
Seine Dornen also drechselnd,
Daß man sie für Blumen hält,
Schneidet friedreich Friedrich Richter
35Richterliche Bocksgesichter,
Liebend strafend Zeit und Welt.
Jean Paul Friedrich Richter, aus Wunsiedel
Spielt die Lyra wie die Fiedel,
Flöte wie den Dudelsack.
40Ist Gelehrter und Verkehrter,
Jean und Paulus, Götz und Werther,
Oriflamme, Schnick und Schnack.
100 Horcht, ihr Leute, horchet auf den Richter,
Auf den verselosen Dichter,
45Der euch auf die Versen tritt.
Zieht levanisch wohlgezogen
Vorwärts zu dem Sternenbogen,
Denn Jean Paul nimmt gern euch mit.
Richtet euern Blick zu unsichtbaren,
50Ew’gen Loge, wo die Scharen
Seiner Blumen sternhell blühn;
Wo sich seines Geistes Geister
Leuchtend sammeln um den Meister,
Und mit ihm am Himmel ziehn.