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Otto Ernst · Vanguardias / s. XX

Im Sommerglanz

alemán

Ich segne mir die klaren Sommerstunden,
Da willenlos die Seele sich versenkt
Ins weite, warme Meer des goldnen Lichtes,
Das ewig-liebevoll die Sonne schenkt.

Dann lieg ich hingestreckt auf stiller Halde,
Trunken vom Licht, von seiner Glut betäubt,
Und sehe, wie im Blattgewirr der Büsche
Zu tausend Funken jeder Strahl zerstäubt.

Ein träger Glast hängt zitternd in den Lüften,
Und aus der Erde, aus dem trocknen Laub
Hebt sich ein schwerer, heißer Lebensodem
Und schwebt in Wolken aufwärts mit dem Staub.

Im halben Schlaf der wonnig müden Seele
Taucht mir in den entrückten Sinnen auf
Ein lichtes Schauen künftiger Gefilde,
Ein leiser Klang von andrer Welten Lauf.

Und mit der fernen, stillen Wolkenherde,
Mit jenem Strom, der hoch im Blauen geht,
Entsend’ ich in die rätselvolle Ferne
Ein selig Ahnen und ein fromm Gebet.

Nur fernher ruft, wie aus der Erde Tiefen,
In bangen Tönen noch das Erdenleid;
Doch bald verklingt’s — und alles irdische Fühlen
Verschwebt zum Sonnentraum der Ewigkeit. —

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Autor
Otto Ernst
Título
Im Sommerglanz
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-im-sommerglanz--otto-ernst-8ec448
Cita recomendada
Otto Ernst, «Im Sommerglanz», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-im-sommerglanz--otto-ernst-8ec448.html

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