Im Kreislauf des Jahres.
Die Lüfte wehten lau und lind,
Vom Walde klang des Finken Locken;
Am Raine saß ein spielend Kind,
Im Haar den Kranz von Maienglocken.
5Ein Falter, der im Winde trieb,
Flog nach dem Duft voll süßer Würze;
Es wehrte nicht dem bunten Dieb ―
Von Veilchen voll war seine Schürze.
Es kam die Nacht mit sachtem Gang
10Bei ferner Blitze mattem Zücken;
Ein Bursche zog das Thal entlang,
Das leichte Ränzel auf dem Rücken.
Die Rose, die ein Mädchen schlank
Beim Abschied ihm gereicht mit Thränen ―
15Er hielt am Stängel zart und schwank
Sie lässig fest mit weißen Zähnen.
An Zaun und Dorn und am Gewand
Hing des Mariengarns Gewebe;
Es bräunte sich im Sonnenbrand
20Die goldne Traubenfrucht der Rebe.
Heim schritt ein Mann, der über Tag
Die Zweige ihrer Last entbunden,
Und auf der duft’gen Ernte lag
Ein Asternstrauß, mit Gras umwunden.
25Es senkt die Zweige tief verschneit
Der Wald, als ob er stumm sich härme;
Zur Hütte schleicht zur Schlafenszeit
Ein Greis, voll Sehnsucht nach der Wärme.
Er lächelt, als sie prasselnd sprühn,
30Die dürren Reiser, gluthumwoben,
Denn eine Ranke Immergrün
Hat achtlos er mit aufgehoben.
R.L.