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Albert Werfer · Modernismo

Herbstreise (Werfer)

alemán

22Herbstreise.

Wenn sonst der Herbst herbeigekommen
Mit seinen Nebeln dicht und feucht,
Da ward der Stock zur Hand genommen,
Der Hut, das Ränzchen klein und leicht:

5Und an der Freunde treuer Seite
Ging’s rasch aus Tübingen hinaus,
Aus enger Haft in freie Weite
Der Heimath zu, dem Aelternhaus.

Ob Sonnenschein, ob kalter Regen
10Vom Himmel fiel in Strömen reich,
Rasch zogen wir dem Ziel entgegen,
Den frohen Wandervögeln gleich;

23Erst durch des Neckarthales Auen
Vorbei an Neufen und an Teck,
15Den Bergruinen, die da schauen
In’s Thal noch immer stolz und keck.

Und brach der Abend ein, dann stiegen
Wir rasch den Staufenberg hinan,
Um den die andern Hügel liegen
20Wie um den Kaiser unterthan.

Gleich einer Braut im Hochzeitkleide
Lag vor uns hier lieb Schwaben da,
Rings Burgen, Wälder, grüne Haide,
So weit das trunk’ne Auge sah,

25Und seitwärts blickten ein paar Trümmer
Uns an noch von dem Kaiserschloß,
Geröthet von der Sonne Schimmer,
Die still in gold’nen Duft zerfloß.

Der Vorwelt eherne Gestalten
30Sie tauchten aus dem Nebelflor,
24Gehüllt in seines Purpurs Falten
Trat Barbarossa d’raus hervor.

Es war, als hörten wir zum Kampfe
Den Ruf um den geborst’nen Wall,
35Der Rosse wieherndes Gestampfe,
Der schmetternden Trompeten Schall.

Da flatterte das Haar im Winde,
Das Herz es glühte wie noch nie,
Es regt’ in ihm sich leis und linde
40Der erste Hauch von Poesie.

Ernst, sinnend ging es wieder weiter
Hinunter in die Wäldernacht,
Doch bald lag Gmünd, das Städtchen heiter,
Vor uns in klarer Mondespracht.

45Hier ward gerastet und getrunken,
Frisch perlte in dem Glas der Wein,
Hell leuchteten des Liedes Funken
Von Loreley am grünen Rhein.

25Es sangen froh die muntern Zecher
50Das Lied vom Kameraden gut,
Vom Könige, der aus dem Becher
„Trank letzte Lebensglut.“

Am andern Morgen rollte endlich
Der Wagen nach der Heimath hin,
55Von Fern schon an den Thürmen kenntlich
Des schönen Bergs im Waldesgrün.

Hoch ward der Hut mit Lust geschwungen.
Gegrüßt das nahe Aelternhaus,
Rasch aus dem Wagen dann gesprungen,
60Geruht im Arm der Lieben aus.

So damals, – und wenn nunmehr wieder
Der Herbst schleicht trüb und still heran,
Nehm’ ich wohl Hut und Stock auch wieder,
Doch nicht so, wie ich einst gethan.

65Gehüllt zum Schutze vor dem kalten
Herbstwetter in den Mantel dicht,
26Im ernsten Antlitz düst’re Falten
Geh’ ich hinaus beim Abendlicht,

Und seh’ die Wandervögel ziehen
70Mit schnellem Flug fort gegen Süd,
Beklag’ des Sommers rasch Verblühen
Und sing' ihm leis ein Sterbelied.

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Por su autor
Albert Werfer
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Autor
Albert Werfer
Título
Herbstreise (Werfer)
Lengua
alemán
Época
Modernismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-herbstreise-werfer--albert-werfer-e51726
Cita recomendada
Albert Werfer, «Herbstreise (Werfer)», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-herbstreise-werfer--albert-werfer-e51726.html

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