Es steht ein Stern, der leuchtet klar,
von Nacht zu Nacht, schon tausend Jahr.
Es kommt ein trüber Wandersmann,
an eine Stalltür klopft er an.
Wer bist du, Mann? was suchst du hier?
Ich suche Gott in Mensch und Tier.
Dann tritt herein, hier kannst du sehn
Ochs, Esel und ein Lämmlein stehn.
Ein Lämmlein wie im Paradies;
ein Knäblein streichelt ihm das Vlies.
Das Knäblein sitzt auf Mutters Schooß,
hat Augen wie der Stern so groß.
Es sieht der trübe Wandersmann
die stolze Magd, den Knaben an.
Ja, sieh nur in die Augen sein,
da siehst du Gottes Glorienschein!
Ich ächzte wie ein Tier fürwahr,
indeß ich lag und ihn gebar;
nun krönt auch mich der Schöpferglanz,
so schön ist keiner Jungfrau Kranz!
Es steht der Wandersmann und sinnt;
es lacht die Magd und herzt ihr Kind.
Das Lämmlein leckt an ihr hinauf;
Ochs, Esel stehn und horchen auf.
O Mutter Gottes, höre mich an,
mich vielversuchten Gottesmann!
Vor deiner Schönheit könnt ich fliehn,
vor deiner Wahrheit lieg’ich auf den Knien.
Ich ging auf Erden hin und her:
es hieß, daß Gott gestorben wär.
Doch siehe da: von jeder Magd
wird er aufs neu zur Welt gebracht.
Nun bin auch ich ein Gottessohn;
+o Mutter, nimm dies Lied zum Lohn+!
Es steht ein Stern schon tausend Jahr
und leuchtet noch wie einst so klar.