Halbverklungene Heldenkunde
Weiß zu sagen von dem Paare,
Das nach grausen Hunnenschlachten
Auf dem Roß, dem kampfesmüden,
Vor den grimmen Türken fliehet.
Unterwegen rast der Flüchtling
Ob des Vaterlandes Jammer.
Angstvoll hütet er sein Weib noch
Vor der wilden Gier der Feinde.
Sieh, da stürzt das treue Rößlein.
»O verdammt!« so ruft der Reiter,
»Daß sie höhnend mich ermorden,
Ist beim Himmel nicht das Schlimmste,
Doch in ihre Hände fallend
=Du=, mein Weib, du Heißgeliebte ...«
»Das wird nimmermehr geschehen,
Ich bin dein und will's verbleiben!«
So das Weib, die Brust entblößend.
»Zieh den Dolch und rette, Liebster,
Freudig mich vor den Barbaren.«
Nächtige Brände fester Burgen
Glühn am schwerbewölkten Himmel.
Schnaubend nahn die wüsten Horden,
Sehn zwei purpurrote Brünnlein
Springen auf der dürren Heide.