Nach Li-Tai-Pe
Wenn das Leben Traum ist, wie sie meinen,
wozu dann ihre nüchterne Plage!
Ich, ich berausche mich alle Tage;
und wenn ich Nachts nichts mehr vertrage,
leg ich mich schlafen auf den Pflastersteinen.
Morgens erwach ich sehr bewußt;
ein Vogel zwitschert zwischen blühenden Reben.
Ich frage ihn, in welcher Zeit wir leben.
Er sagt mir: in der Zeit der blühenden Reben!
das ist die Zeit, in der die Frühlingslust
die Vögel zwitschern lehrt und leben, leben!
Ich bin erschüttert. Ich raff mich auf wie toll;
wütende Seufzer pressen mir die Kehle.
Und wieder gieß ich mir den Becher voll,
bis in die Nacht, und pfeiff auf meine Fehle.
Wenn dann mein Mund ausruht, ruht auch mein Groll,
ruht Alles, was ich will und kann und soll,
ruht rings die Welt — o ruhte auch die Seele!
Wer aber kann mit Wein den Gram verjagen?
wer kann das Meer mit einem Schluck verschlingen?
Der Mensch, in diesen Lebensrausch verschlagen,
in dem sich Sehnsucht und Erfüllung jagen,
kann nichts tun als in einen Nachen springen,
mit flatterndem Haar im Wind die Mütze schwingen
und, während ihn die Elemente tragen,
sich ihrer Willkür stolz zum Opfer bringen!