15Erster Schmerz, letzter Scherz.
Nun sitz’ am Bache nieder
Mit deinem hellen Rohr,
Und blas’ den lieben Kindern
Die schönen Lieder vor.
16
5Die Lust ist ja verrauschet,
Das Leid hat immer Zeit:
Nun singe neue Lieder
Von alter Seligkeit.
Noch blühn die alten Blumen.
10Noch rauscht der alte Bach,
Es scheint die liebe Sonne
Noch wie am ersten Tag.
Die Fensterscheiben glänzen
Im klaren Morgenschein,
15Und hinter den Fensterscheiben
Da sitzt die Liebste mein.
Ein Jäger, ein grüner Jäger,
Der liegt in ihrem Arm –
Ei, Bach, wie lustig du rauschest!
20Ei, Sonne, wie scheinst du so warm!
Ich will einen Strauß dir pflücken,
Herzliebste, von buntem Klee,
Den sollst du mir stellen an’s Fenster,
Damit ich den Jäger nicht seh’.
25Ich will mit Rosenblättern
Den Mühlensteg bestreun:
Der Steg hat mich getragen
Zu dir, Herzliebste mein!
Und wenn der stolze Jäger
30Ein Blättchen mir zertritt,
Dann stürz’, o Steg, zusammen
Und nimm den Grünen mit!
Und trag ihn auf dem Rücken
In’s Meer, mit gutem Wind,
35Nach einer fernen Insel,
Wo keine Mädchen sind.
17
Herzliebste, das Vergessen,
Es kommt dir ja nicht schwer –
Willst du den Müller wieder?
40Vergißt dich nimmermehr.