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Eduard Mörike · Romanticismo

Erinna an Sappho

alemán

(Erinna, eine hochgepriesene junge Dichterin des griechischen
Altertums um 600 v. Chr., Freundin und Schülerin Sapphos zu
Mitylene auf Lesbos. Sie starb als Mädchen mit neunzehn Jahren.
Ihr berühmtestes Werk war ein episches Gedicht, »Die Spindel«,
von dem man jedoch nichts Näheres weiß. Überhaupt haben sich
von ihren Poesien nur einige Bruchstücke von wenigen Zeilen und
drei Epigramme erhalten. Es wurden ihr zwei Statuen errichtet,
und die Anthologie hat mehrere Epigramme zu ihrem Ruhme von
verschiedenen Verfassern.)

»Vielfach sind zum Hades die Pfade,« heißt ein
Altes Liedchen, »und einen gehst du selber,
Zweifle nicht!« Wer, süßeste Sappho, zweifelt?
Sagt es nicht jeglicher Tag?
Doch den Lebenden haftet nur leicht im Busen
Solch ein Wort, und dem Meer anwohnend ein Fischer von Kind auf
Hört im stumpferen Ohr der Wogen Geräusch nicht mehr. —
Wundersam aber erschrak mir heute das Herz. Vernimm!

Sonniger Morgenglanz im Garten,
Ergossen um der Bäume Wipfel,
Lockte die Langschläferin (denn so schaltest du jüngst Erinna)
Früh vom schwüligen Lager hinweg.
Stille war mein Gemüt, in den Adern aber
Unstet klopfte das Blut bei der Wangen Blässe.

Als ich am Putztisch jetzo die Flechten löste,
Dann mit nardeduftendem Kamm vor der Stirn den Haar-
Schleier teilte: seltsam betraf mich im Spiegel Blick in Blick.
Augen, sagt' ich, ihr Augen, was wollt ihr?
Du, mein Geist, heute noch sicher behaust da drinne,
Lebendigen Sinnen traulich vermählt,
Wie mit fremdendem Ernst, lächelnd halb, ein Dämon,
Nickst du mich an, Tod weissagend! —
Ha, da mit eins durchzuckt' es mich
Wie Wetterschein, wie wenn, schwarzgefiedert, ein tödlicher Pfeil
Streifte die Schläfe hart vorbei,
Daß ich, die Hände gedeckt aufs Antlitz, lange
Staunend blieb, in die nachtschaurige Kluft schwindelnd hinab.
Und das eigene Todesgeschick erwog ich,
Trockenen Augs noch erst,
Bis da ich dein, o Sappho, dachte
Und der Freundinnen all
Und anmutiger Musenkunst:
Gleich da quollen die Tränen mir.

Und dort blinkte vom Tisch das schöne Kopfnetz, dein Geschenk,
Köstliches Byssosgeweb, von goldnen Bienlein schwärmend.
Dieses, wenn wir demnächst das blumige Fest
Feiern der herrlichen Tochter Demeters,
Möcht' ich ihr weihn für meinen Teil und deinen,
Daß sie hold uns bleibe (denn viel vermag sie),
Daß du zu früh dir nicht die braune Locke mögest
Für Erinna vom lieben Haupte trennen.

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Autor
Eduard Mörike (1804–1875) · Wikidata Q63699
Título
Erinna an Sappho
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-erinna-an-sappho--eduard-morike-bac8f5
Cita recomendada
Eduard Mörike, «Erinna an Sappho», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-erinna-an-sappho--eduard-morike-bac8f5.html

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