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Carl Arnold Kortum · Romanticismo

Dreizehntes Kapitel

alemán

1. Phöbus hatte vollbracht auf gewöhnliche Weise
Um die Erde herum seine Tagereise,
Und die Postpferde schon abgeschirrt,
Und die Räder für morgen eingeschmiert.

2. Verschlossen waren Kramläden und Buden,
Sowol bei beschnittenen als christlichen Juden,
Und im Dachstübchen im Hinterhaus
Blies ein Philosoph sein Thranlämpchen aus.

3. Auf den Schneidertischen lagen pêle-mêle
Gestohlne Lappen, Scheere und Ehle,
Und müßig in des Schreiners Werkstätt'
Säge und Hobel auf halbfert'gem Brett.

4. Vom Armenwächter bis zum Staatsminister,
Vom Erzbischof bis zum Hundeküster,
Vom Profoß bis zum General hinzu,
Hatte alles von der Amtspflicht Ruh.

5. Gott Morpheus streuete Schlummerkörner,
Luna zeigte ihre glänzenden Hörner,
Und manchem abwesenden Ehemann
Ward ein Horn zu Hause zugethan.

6. Ueberall herrschte feierliche Stille,
Nur hier und da zirpte eine Grille,
Oder ein wachsamer Kettenhund
Machte in ihrem Beruf gehende Diebe kund.

7. In der unermeßlichen weiten Ferne
Schimmerten droben tausend freundliche Sterne,
Und das azurne Himmelblau
Ward durch kein Wölkchen noch Nebel grau.

8. Auf des verflossenen Tages Schwüle
Folgte eine sanfte erquickende Kühle;
Ich erinnere mich, es war grade just
Um die Mitte des Monats August.

9. Das Mondlicht fiel hell durch Ritzen und Fenster,
Manches Sonntagskind sah Phantome und Gespenster,
Die Eule flog auf die Fledermaus-Jagd,
Mit einem Wort: Es war Mitternacht.

10. Wer gewohnt ist, seine Menschenpflichten
Des Tages durch gehörig zu verrichten,
Und dabei satt gegessen und getrunken hat,
Dem ist die Nacht eine wahre Wohlthat.

11. Denn weder sein leerer Magen noch volles Gewissen
Plagt ihn mit Drücken und peinlichen Bissen,
Und nach ausgezogenem Pantoffeln oder Schuh
Kommt er im Bette sofort zur Ruh.

12. Herr Hieronimus hat baß, als manche Großen,
In seinem Pfarrstande dies Glücke genossen,
Denn kein Hunger noch Gewissensgewicht
Drückte seinen Unterleib noch Kopf nicht.

13. Jedoch hat es sich einsmalen zugetragen,
Daß er, vielleicht wegen überladenem Magen,
Die oben beschriebene Augustnacht
Etwas schlaflos hat zugebracht.

14. Er entschloß sich sofort aufzustehen,
Und im Garten ein wenig spazieren zu gehen,
Um durch diese kleine Motion
Zu fördern den Schlaf und die Concoction.

15. Er fand die Hinterthür seines Hauses offen,
Und ward davon zwar ein wenig betroffen,
Doch glaubte er, die Hausmagd habe dies
Vielleicht gethan gestern ^per abus^.

16. Er wandelte im Schlafrock mit langsamem Schritte
Ohngefähre bis zu des Gartens Mitte,
Wo unfern davon, linker Hand,
Sich eine kleine dichte Laube befand.

17. Aber plötzlich ward sein Spazieren unterbrochen,
Denn es wurde in dieser Laube laut gesprochen,
Und es däuchte sogar, indem er horchte, ihm,
Es sei seiner Schwester Esther Stimm'.

18. Er schlich näher, sehr langsam und leise,
Ohngefähr wie Katzen nach dem Gerispel der Mäuse,
Und hörte drauf im wohlbekannten Ton
Auch die Stimme vom jungen Herrn Baron.

19. Er erstaunte natürlicher Weise darüber,
Ja sein Erstaunen ging in Erstarren gar über,
Als er fürder zur Laube kam,
Und den Inhalt des Gesprächs vernahm.

20. Denn er hat da nun deutlich erfahren,
Daß man schon seit mehrern Jahren
Diese Laube hatte gewählet zu
'nem nächtlichen geheimen Rendezvous.

21. Er hat sogar mit Schaudern vernommen,
Daß die Sache sehr weit mit beiden gekommen,
Und daß vielleicht eine Entführung gar,
Wie es schiene, auf'm Tapete war.

22. Ohne vorerst weiter was anzufangen,
Ist er stille zurücke ins Haus gegangen,
Um zu überlegen bei kaltem Blut,
Wie das böse Ding sei zu machen gut.

23. Wie lang das Rendezvous in der Laube gewähret,
Drüber bin ich so genau nicht belehret;
Es kann dieses, lieber Leser mein,
Dir und mir auch wol gleiche viel sein.

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Autor
Carl Arnold Kortum
Título
Dreizehntes Kapitel
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-dreizehntes-kapitel--carl-arnold-kortum-dc4810
Cita recomendada
Carl Arnold Kortum, «Dreizehntes Kapitel», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-dreizehntes-kapitel--carl-arnold-kortum-dc4810.html

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