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Otto Ernst · Vanguardias / s. XX

Die unterbrochene Predigt

alemán

Beim Gottesdienst auf freiem Felde hielt
Ein wütend Pfäfflein eine Donnerpredigt.
Mit seines Herrgotts schärfsten Blitzen spielt
Das Männlein ungeniert und unbeschädigt.
Er spricht von einer fernen großen Stadt,
Wo eine Seuche alt und jung verschlingt,
Wo Tag und Nacht durch Werk- und Schlummerstatt
Der Wimmerton der Sterbeglocke klingt.
„Seht,“ ruft er, „seht allda den Finger Gottes!
Seht, wie der Herr die Glaubenslosen schlägt!
Gott ist gerecht! Wie auf die Stadt des Spottes
Der Herr nun endlich seine Hand gelegt —“
Er hob den Blick. Da flog ein Vogel, und
Der schloß durch ein Geschenk aus seinem Schoß —
Ein seltner Glücksfall — ihm den losen Mund —
Der Vogel, wie mir schien, war ziemlich groß.

Hier sah der Mann den Finger Gottes nicht,
Und das mit Recht. Denn es bedünkt mich schier:
So viel Gefühl, zu strafen diesen Wicht,
So viel Vernunft besitzt wohl auch ein Tier.

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Expediente

Autor
Otto Ernst
Título
Die unterbrochene Predigt
Lengua
alemán
Época
Vanguardias / s. XX
Sala
La Biblioteca
Identificador
ws-de-die-unterbrochene-predigt--otto-ernst-0a35e5
Cita recomendada
Otto Ernst, «Die unterbrochene Predigt», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-die-unterbrochene-predigt--otto-ernst-0a35e5.html

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