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PoetósferaLa BibliotecaMax von Schenkendorf

Max von Schenkendorf · Romanticismo

Die deutschen Städte

alemán

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Die deutschen Städte

An Smidt, Senator und Gildenmeister, Bürger in Bremen.

Es war ein Band gewoben
Im heil’gen deutschen Land,
Das fest und wohl den Proben
Des Teufels widerstand.
5Noch schreiten die Gestalten
Der Weber durch die Flur,
Die sprechen, ewig halten
Soll unsre heil’ge Schnur.

Es ward ein Bau erhoben
10Der Freiheit Hof und Saal;
Den Meister soll man loben,
Der solches Werk befahl.
Die Pfeiler sind gegründet
Auf Treu’ und Ständigkeit,
15Der Mörtel, der sie bindet,
Ist Lieb’ und Einigkeit.

Die Feinde überzogen
Das junge Kaiserthum,
Da brach am Heidenbogen
20Der Väter Waffenruhm.
171 Wer wird das Reich erretten?
Wer nimmt der Freiheit Wehr?
Sie bringen uns die Ketten
Auf offner Straßen her.

25O Heinrich, deutscher Kaiser,
Nimm ew’gen Ruhmes Schein;
Du führst in feste Häuser
Die freien Bürger ein.
Der an dem Vogelheerde
30Die heil’ge Krone fand,
Hat von der heil’gen Erde
Den schlechten Feind gebannt.

Bei Goslar steht ein Zeichen,
Ein altes festes Schloß,
35Wo nimmermehr zu weichen
Der kranke Herr beschloß.
Weit scholl der Heiden Klage
O Merseburg bei dir,
Und noch erzählt die Sage
40Von Magdeburgs Turnier.

Vom Felde zog der Neunte,
Das gab ein’ starke Schaar,
Und was der Kaiser meinte
Ward herrlich offenbar.
45Von tausend Heerden ziehend
Sah man des Gastmahls Rauch,
Wenn Wald und Aecker blühen
Die Städte blühen auch.
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So wurde klug errichtet
50Der Freiheit Damm und Wehr.
Gar manchen Streit geschlichtet
Hat kleines Bürgerher.
Der mag auch Schwerter schwingen
Wer kühn das Werkzeug führt,
55Und Ritterschlösser zwingen,
Die seine Kunst verziert.

Noch immer mag die Kunde
Der Bürger Herz erfreu’n
Vom alten Schwabenbunde,
60Vom Städtebund am Rhein.
Von Schlachten ohne Tadel
Spricht mancher alte Reim;
Und herrlich blüht der Adel
Von Waldpot Bassenheim.1

65Doch welcher soll vor Allen
Das höchste Lob gescheh’n?
Laß deine Fahnen wallen,
Laß deine Flaggen weh’n,
O Hansa, hoch zu preisen
70Von Männern im Gesang,
Die in den fernsten Kreisen
Um Ruhm und Beute rang.
173
Den Weg hast du bereitet,
Dem höchsten Christengott,
75Hast deutsche Art verbreitet
Bis Riga, Novogrod.
Aus mildem Bürgerstande,
Aus stillem Bürgerfleiß
Erblüht im heil’gen Lande
80Der Ritterorden Preiß.2

Was gleich verklung’nen Sagen
Aus grauer Vorzeit scholl,
Hat man in diesen Tagen
Gesehen staunensvoll.
85Der Feind betrat die Schwellen,
Da zogen Schiffer aus
Und wohnten auf den Wellen
Im leichten freien Haus.

Ein Hansastaat im Meere,
90Ein Hansastaat im Feld,3
Der als Tyrannenwehre
Sich kühn entgegenstellt.
Laß Flammen dich verzehren,
O Hamburg, reich und schön,
95Man wird in jungen Ehren
Dich Fönix wieder seh’n.
174
Auch dir, mein freies Bremen,
Sey Gruß und Ruhm und Heil!
Du darfst mit Ehren nehmen
100Von diesem Sieg dein Theil.
Es hat in dir geschworen
Die feine Jungfrauschaar:
„Dem sey die Braut verlohren
Wer nicht im Felde war.“

105Blüht auf, ihr starken Dreie,
Am deutschen Meeresstrand,
Ein Reich der Zucht und Treue,
Ein Schmuck vom deutschen Land.
Wer also treu gehalten
110Am Vaterland und Eid,
Soll ferner auch verwalten
Der Heimath Herrlichkeit.

Mein Aachen, wo die Krone
Des Ritterthums geruht,
115Bald auf granit’nem Throne,
Bald an der warmen Fluth!
Berühmt seit grauen Zeiten
Ehrwürd’ge Trier du,
Erwacht am Klang der Saiten
120Aus eurer langen Ruh.
175
Du Thor der deutschen Lande,
O Bundes-Veste Mainz!
Du frommes Köln am Strande
Des lieben alten Rheins,
125Ein hohes Amt laß halten
In deinem heil’gen Dom,
Damit sie wohl verwalten
Die Wacht am deutschen Strom.

Von Waffen hör’ ich’s schallen
130O Krönungsstadt in dir!
Viel Kaufherrn seh ich wallen
In reicher Rüstung Zier.
Bewahre nur, mein Rühle,4
Die Bürger männiglich;
135Dann setzen auf die Stühle
Schultheiß und Schöppen sich.

O Waffenstahl, sprüh’ Funken,
Sprüh’ Funken, edler Stein!
Vom Wein der Freiheit trunken
140Laßt jeden Bürger seyn.
Der Formen todte Satzung
Lebt auf am kühnen Wort,
Man geht von eig’ner Schatzung
Zu beßern Rechten fort.
176
145Laßt jedem Bürger geben
Den Raum zu Wort und That,
Und strömen wir das Leben
Vom Bürger in den Rath.
Das Zeichen von dem Bunde
150Ist ja der Eichenbaum,
Der wächst aus tiefem Grunde
Zum hellen freien Raum.

Von Kleinen ist zu melden,
Was je die Großen hob,
155Und Pforzheims treue Helden5
Errangen ew’ges Lob.
Ja lasset alle Kleinen
Erst kühn und würdig seyn,
Dann soll es bald erscheinen,
160Wie Freiheit will gedeih’n.

Mit deinen Kirchenhallen
Und südlich schöner Pracht
Den Deutschen zu gefallen
Nimm Augsburg wohl in Acht.
165Im Lechfeld ist erlegen
Der Ungarn wildes Heer,
Nun schmiedet Ottos Degen
Zu freier Bürger Wehr.
177
Dich wird, o Bundesstätte,
170Kein Welscher mehr entweih’n:
Vielleicht zieh’n weis’re Räthe
Bald wieder bei dir ein.
O Regensburg empfange
Die Männer treu und werth,
175Es wird mit Waffenklange
Ein Helden-Rath geehrt.

Wenn Einer Deutschland kennen
Und Deutschland lieben soll,
Wird man ihm Nürnberg nennen
180Der edlen Künste voll.
Dich nimmer noch veraltet
Du treue fleiß’ge Stadt,
Wo Dürers Kraft gewaltet
Und Sachs gesungen hat.

185Das ist die deutsche Treue,
Das ist der deutsche Fleiß,
Der sonder Wank und Reue
Sein Werk zu treiben weiß.
Das Werk hat Gott gegeben,
190Dem der es redlich übt,
Wird bald sein ganzes Leben
Ein Kunstwerk, das er liebt.
178
Ihr hohen Fürstensitze
Von Wilhelm und von Franz,
195Seyd ewig ihre Stütze
Und ihrer Kronen Glanz.
Du sollst auf Deutschland wirken
Entsündigtes Berlin;
Die Welschen wie die Türken
200Vermeiden künftig Wien.

O Leipzig, Stadt der Linden,
Dir glänzt ein ew’ges Licht,
Zu dir den Weg zu finden
Braucht man den Führer nicht.
205Man wird es nie vergessen
Wie Babels Thurm erlag,
Man spricht von Leipzigs Messen
Bis an den jüngsten Tag.

Wie man den Feind befehdet,
210Das große Freiheit-Werk,
Beschlossen und beredet
Ward es in Königsberg.
Am deutschen Eichenstamme
Du frisches grünes Reis,
215Du meiner Jugend Amme,
Nimm hin des Liedes Preiß.
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Im Freiheit-Morgenrothe,
In Moskaus heil’gem Schein
Kam ein geweihter Bote,
220Zu dir der veste Stein.6
Er zog in Kraft zusammen
Der Landesväter Kreis,
In den trug seine Flammen
Held York, der strenge Greiß.

225Da brach mit Sturmes Schnelle
Hervor dein starker Sinn,
Nun maaß mit and’rer Elle
Der Kaufmann den Gewinn.
Nun lieben die Studenten
230Erst recht die Wissenschaft,
Und alle Herzen brennten
In einer Glut und Kraft.

Du köstliches Geschmeide
Vom tapfern Preußenland,
235O Stadt, im Glück und Leide
Gleich fromm und treu erkannt,
Am Weichselstrom, am Meere,
Mein Danzig, festes Haus,
Erblüht von Glück und Ehre
240Für dich ein neuer Strauß.
180
Wie tief auch noch versunken
Die alte Herrlichkeit,
In Aschen glimmt ein Funken
Wir wecken ihn zur Zeit.
245Es kommt ein Tag der Rache
Für aller Sünder Haupt,
Dann sieget Gottes Sache,
Das schauet wer geglaubt.

Dann wollen wir erlösen
250Die Schwester fromm und fein
Aus der Gewalt der Bösen,
Die starke Burg am Rhein,
Die Burg, die an den Strassen
Des falschen Frankreichs liegt,
255In der nach ew’gen Maassen
Erwin den Bau gefügt.

Indeß, du freies Wesen,
Gedeihe weit und breit,
Der Herr hat dich erlesen
260Zum Zeichen für die Zeit.
Die Fürsten sollen kommen
Sammt ihrer Ritterschaft,
Und lernen sich zum Frommen
Der Freiheit Wunderkraft.
181
265In vester Mauern Mitte
Blüht eine frische Welt,
Da ward die milde Sitte
Zum Wächter wohl bestellt;
Die hat gar treu gehütet
270Den anvertrauten Schatz,
Als rauher Sturm gewüthet
Stand sie an ihrem Platz.

Nun gilt’s ein neues Bilden;
So komm’ in deiner Kraft,
275Aus himmlischen Gefilden
Zur Erde Wissenschaft.
Man soll dich treulich pflegen
Du theures Erb’ und Gut,
Daß noch im Väter Segen
280Der freie Enkel ruht.

O komm’ in uns’re Säle,
In uns’re Schulen komm’,
Mit rechter Treu’ uns stähle
Und mach’ uns wieder fromm:
285Es haben ja die Alten,
Die weisen, bärt’gen Herrn
Den Glauben auch gehalten
Für alles Wissens Kern.
182
Frisch auf du Bürgerjugend
290In Waffen tummle dich,
Das heiß ich rechte Tugend,
Zu kämpfen männiglich.
Der sey der Bürgermeister,
Der wohl die Waffen führt,
295Im Rathe kühn die Geister,
Im Feld sein Heer regiert.

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Max von Schenkendorf
Título
Die deutschen Städte
Lengua
alemán
Época
Romanticismo
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Identificador
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Cita recomendada
Max von Schenkendorf, «Die deutschen Städte», Poetósfera, poetosfera.com/p/ws-de-die-deutschen-stadte--max-von-schenkendorf-0b98e5.html

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